Mitte Oktober hatten Insider gegenüber Reuters berichtet, dass die langjährige Chefin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, schon im November zur neuen Vorsitzenden des World Economic Forum (WEF) ernannt werden könnte. Heute wurde ihr vorzeitiger Rücktritt bei der EZB bekannt gegeben. Emmanuel Macron kann somit noch als französischer Präsident Einfluss auf ihre Nachfolge nehmen.
Lagarde will ihr Amt als EZB-Chefin zum 7. Februar 2027 niederlegen: Das kündigte sie heute in einer Videobotschaft an. Regulär wäre ihre Amtszeit erst Ende Oktober 2027 ausgelaufen. Den Posten übernommen hatte sie im November 2019.
I have just informed my colleagues that I will step down as @ECB President on 7 February 2027.
— Christine Lagarde (@Lagarde) October 29, 2026
It has been a source of great pride to serve this institution.
I thank all of those who have supported me on this journey over the past seven years. pic.twitter.com/eSLLTaDAej
Reuters hatte Mitte Oktober unter Bezugnahme auf mehrere Insider berichtet, dass Lagarde als neue Vorsitzende des WEF fungieren könnte – und das womöglich schon ab November. Der Verwaltungsrat der Organisation soll am 2. November zusammenkommen. Lagarde könnte dann bereits als neue Vorsitzende gewählt werden. Alternativ wäre es möglich, dass bei dem Treffen zumindest ein Termin für die Wahl angesetzt wird.
Der inzwischen skandalgebeutelte Klaus Schwab ist im vergangenen Jahr als WEF-Chef zurückgetreten. Derzeit wird der Vorstand des WEF gemeinsam von Larry Fink, dem Vorstandsvorsitzenden von BlackRock, und Andre Hoffmann, dem stellvertretenden Vorsitzenden von Roche, geleitet.
Das jährliche Treffen des Weltwirtschaftsforums in Davos soll im Januar stattfinden – sollten sich die Gerüchte bestätigen, könnte Lagarde dann bereits als designierte Vorsitzende auftreten. Die anonymen Quellen gaben gegenüber der FT an, dass ihre Wahl noch nicht sicher sei, dass sie im Rat aber großen Rückhalt genieße.
Establishment soll Macht über EZB behalten
Lagardes vorzeitiger Rücktritt ist aber tatsächlich schon seit Monaten im Gespräch. Im Februar berichtete bereits die Financial Times, dass Lagarde ihren Posten voraussichtlich vor den Präsidentschaftswahlen in Frankreich räumen wolle: Auf diese Weise wolle sie dem Medium zufolge Emmanuel Macron und Friedrich Merz als Schlüsselfiguren dabei helfen, noch rasch eine Nachfolge für sie zu bestimmen. Sprich: eine gefällige Nachfolge.
Nach den Wahlen in Frankreich im Frühjahr könnte eine Nachfolgebestimmung zugunsten des Establishments angesichts des hohen Zuspruchs der Bevölkerung zum Rassemblement National nämlich deutlich schwieriger werden. Eine Marine Le Pen als neue Präsidentin könnte hier, sofern sie sich nicht doch dem System anbiedert, als Sand im Getriebe wirken. Macron selbst kann ohnehin nicht erneut für das Amt des Präsidenten kandidieren. Es scheint also tatsächlich, als wolle man dem fortschreitenden Rechtsruck in der EU zuvorkommen, um die Macht über die Zentralbank zu behalten.
Nachfolge noch unklar
Eine konkrete Nachfolge für Christine Lagarde ist noch offen. Als aussichtsreiche Kandidaten gelten unter anderem der frühere niederländische Notenbankchef Klaas Knot und der ehemalige spanische Zentralbankchef Pablo Hernández de Cos, der inzwischen die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich leitet. Aus Deutschland war lange der Chef der Deutschen Bundesbank, Joachim Nagel, im Gespräch, der aber Berichten vom September zufolge wohl doch nicht nominiert werden soll. Die EZB-Direktorin Isabel Schnabel hatte in der Vergangenheit Interesse bekundet, wechselt aber im Januar zum IWF nach Washington. Auch hier wird also ein Posten frei.
EU-Ratspräsident António Costa kündigte bereits an, das Verfahren zur Bestimmung eines Nachfolgers unverzüglich einzuleiten.