Auf einem Hochplateau will man, umgeben von 4 Dörfern, drei Windmonster errichten. Betreiber ist der Verbund. Die Bürger formieren sich jetzt massiv dagegen, denn am 15. März 2026 findet eine Volksbefragung über das Projekt statt. Die Bürger entscheiden dann darüber, ob die Gemeinde Flächen in der vom Land Niederösterreich ausgewiesenen Wind-Standortzone 109 für den Bau von Windrädern zur Verfügung stellen soll. Es ist nicht mehr lange Zeit! Eine Bürgerversammlung soll die Bevölkerung am 6. März aufklären.
Gastkommentar von Angelika Starkl
Bürgerversammlung
am 6. März 2026 um 18 Uhr beim Graslwirt
in Mörtersdorf
Da die Türme mit den Rotorblättern Höhen von fast 250 bis 285 Metern erreichen, wird eine erhebliche optische Veränderung der bisherigen Hügellandschaft eintreten. Kritiker führen berechtigt an, dass das charakteristische Landschaftsbild des Wein- und Waldviertels durch die “Verspargelung” weit sichtbarer Masten dauerhaft zerstört werden wird. Auch wenn Grenzwerte eingehalten werden, befürchten Anwohner gesundheitliche Auswirkungen durch nicht hörbaren Tiefton-Schall.
Besonders in Zogelsdorf wird die Nähe zu den massiven Bauwerken als bedrückend empfunden, selbst wenn die gesetzlichen 1.200 Meter Abstand eingehalten werden. Diese Abstände wurden übrigens schon vor Jahren für die kleinen Windräder berechnet. Für die 300 Meter hohen Monster wurde der Abstand zum Wohngebiet nicht gesetzlich nachgebessert. Bis heute nicht! Ein Skandal!
Umstrittenes Projekt
Es besteht die Sorge vor herabfallenden Eisstücken im Winter, was die Nutzung angrenzender Wanderwege einschränken wird. Vogelschützer weisen auf das Todesrisiko für Greifvögel wie den Rotmilan und auch für Fledermäuse hin, die durch die Rotoren zerfetzt werden. Auf den Feldern, wo die Windräder gebaut werden, liegt ein Jagdgebiet. Die Böden hinter der Barbarakapelle neben dem Steinbruch Zogelsdorf werden dauerhaft versiegelt. Wohnhäuser in direkter Sichtweite der Anlagen verlieren an Marktwert und sind schwieriger zu verkaufen. Gegner argumentieren, dass die Region für den sanften Tourismus und Erholungssuchende an Attraktivität verliert, wenn die Naturkulisse industriell durch hohe Windradmasten überprägt wird.
Wenn die Mehrheit am 15. März gegen das Projekt stimmt, wird die Gemeinde die Umwidmungsverfahren stoppen. Da die Windkraftnutzung in Niederösterreich jedoch über das Sektorale Raumordnungsprogramm des Landes gesteuert wird, bleibt die Zone 109 theoretisch im Landesplan bestehen. Ein Bau der Windräder gegen den erklärten Willen der Bevölkerung ist unmöglich umzusetzen. Deshalb ist es so wichtig, dass die Bürger informiert sind, vor allem über die Nachteile der Windenergie und dann selbst entscheiden.
Was passiert bei einem “Nein”?
Die Gemeinde hat im Vorfeld betont, dass sie die direkte Demokratie als höchstes Gut ansieht. Auf der Website der Gemeinde Burgschleinitz-Kuenring finden sich kurz vor solchen Terminen die genauen Fragestellungen und Abstimmungsmodalitäten.
Da die Gemeinde die Widmungshoheit hat, sind diese Personen zentral für die Umsetzung:
- Bgm. Andreas Boigenfürst (ÖVP). Als Bürgermeister von Burgschleinitz-Kuenring ist er der Hauptansprechpartner. Er betont die Wichtigkeit der Volksbefragung und versichert, dass die Gemeinde nur bei einem “Ja” der Bürger die nötigen Verträge unterschreiben wird.
- Der Gemeinderat muss formal die Flächenwidmung beschließen. Hier gibt es oft unterschiedliche Strömungen zwischen den Fraktionen (ÖVP, FPÖ, Bürgerlisten), wobei die ÖVP-Mehrheit den Kurs des Bürgermeisters stützt.
- LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) ist in Niederösterreich für Energie und Landwirtschaft zuständig und gilt als Architekt des NÖ Klima- und Energiefahrplans. Er forciert den Ausbau massiv, betont aber gleichzeitig die Bedeutung der regionalen Akzeptanz.
Kritische Punkte für Zogelsdorf
Das Projekt umfasst 3 Windräder mit einer Gesamtleistung von rund 21 MW. Die Pflicht zur Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung beginnt erst ab 30 MW. Der Verbund wird jedoch im Falle eines für ihn positiven Ergebnisses der Volksbefragung die Möglichkeit einer freiwilligen UVP in Anspruch nehmen. Da Zogelsdorf in einer leichten Senke bzw. am Hang liegt, werden die bis zu 285 Meter hohen Anlagen auf der Anhöhe Richtung Reinprechtspölla optisch sehr präsent sein. Kritiker sprechen hier von einer “Riegelwirkung” im Westen des Ortes. Die Schallemission ist auch beträchtlich. Aufgrund der vorherrschenden Westwinde in der Region wird der Schall tendenziell in Richtung Zogelsdorf getragen. Hier muss der Verbund im Genehmigungsverfahren durch Gutachten belegen, dass die Grenzwerte der NÖ Schalldruckpegel-Verordnung unterschritten werden. Der Abstand zur Nachbargemeinde: Die Zone grenzt an das Gemeindegebiet von Meiseldorf und Eggenburg.
Sollten Anlagen näher als 2.000 Meter an deren Wohngebiete heranrücken, müssten auch diese Gemeinden explizit zustimmen – ein schwieriger politischer Prozess. Zudem sind die Windmaschinen weithin sichtbar und würden einen markanten Punkt in der Landschaft bilden. In Zogelsdorf hat übrigens Alt-Kanzler Sebastian Kurz seine Latifundien. Ob er mit diesem Windindustrieprojekt wirklich große Freude hat, ist mehr als fraglich.
