Islamisten-Nest Katar durch Iran-Krieg in der Zwickmühle

Symbolbild: midosemsem / Hintergrund: KI

Das Emirat war das Zentrum der Muslimbrüder und gut befreundet mit den iranischen Mullahs. Deren möglicher Fall bringt die Kataris in eine schwierige Lage, was man auch an ihren Medien gut ablesen kann.

von Eric Angerer

Das kleine Emirat Katar ist nicht nur ein großer Player des globalen Kapitalismus, sondern auch Hauptfinanzier und Operationsbasis der weltweiten Muslimbruderschaft. Auch deren palästinensische Zweigstelle Hamas agierte von Doha aus – weshalb die Kataris im Nahostkonflikt kein neutraler Vermittler, sondern Brandstifter waren.

Auch wenn die Türkei der Hauptverbündete war und ist, hatte das Emirat doch auch gute Beziehungen mit der islamischen Diktatur im Iran (allein schon durch die gemeinsame Unterstützung der Hamas). Gleichzeitig hat man über einen gigantischen Staatsfonds massiv im Westen investiert und bemühte sich um gute Beziehungen zu den USA, was auch unter Trump gelang (wir haben berichtet). 

Durch den Iran-Krieg gerät das geschickte Lavieren der Kataris als Hauptmacht des sunnitischen Islamismus zwischen dem Iran und den USA aber jetzt ins Kippen. Da die US-Luftwaffe für ihre Angriffe auch ihre Militärbasis in Katar benutzt hat, hat der Iran nun auch Katar attackiert und dabei unter anderem mit Drohnen die katarische LNG-Produktion zum Erliegen gebracht (wir haben berichtet). 

Sollte das islamfaschistische Regime in Teheran wirklich stürzen und dort eine säkulare und prowestliche und sogar proisraelische Regierung an die Macht kommen, wird das auch Katar in Schwierigkeiten bringen. Muss man sich dann mehr den USA anpassen? Was, wenn die Mullahs doch irgendwie überleben?

Katar hält sich noch alle Optionen offen

Diese Zwickmühle kommt auch in der katarischen Medienlandschaft zum Ausdruck. Hussain Abdul-Hussain, Autor von „The Arab Case for Israel“ und „Befürworter eines sofortigen, bedingungslosen arabisch-israelischen Friedens“, schreibt auf X:

„Seit dem Beginn der iranischen Raketenangriffe auf Doha verfolge ich alle Leitartikel aus Katar und schaue gleichzeitig ununterbrochen Al-Jazeera. Zwischen den katarischen Medien und Al-Jazeera hat sich eine deutliche Kluft aufgetan. Die Katarer sind schockiert und zutiefst betroffen von den iranischen Angriffen und rufen zur Einheit der Golfstaaten gegen den Rest der Welt auf. Al-Jazeera hingegen hofft, der Krieg werde das Ende des amerikanischen Imperiums und Israels bedeuten, und vertritt damit die Linie des Globalen Südens, der BRICS-Staaten, des Großteils Europas und der Progressiven in der amerikanischen Demokratischen Partei.

Warum unterscheidet sich Al Jazeera von der Denkweise der Mehrheit der Katarer? Hauptsächlich deshalb, weil der Sender mit nicht-katarischen Mitgliedern der Muslimbruderschaft und Kommunisten aus aller Welt (der rot-grünen Allianz) besetzt ist.

Ist Doha mit der Kluft einverstanden? Ich sage ja. Doha pflegt viele Gesichter und setzt jedes je nach Bedarf ein (so verfuhr Hafiz al-Assad gegenüber Amerika, Israel und dem Westen). Doch Doha ist von Irans Verrat verletzt und hin- und hergerissen: Soll es die Beziehungen zu Teheran abbrechen oder sie aufrechterhalten, in der Hoffnung, später als Vermittler auftreten zu können? Auch Katar ist unsicher, ob das Regime überlebt und Doha künftig mit ihm verhandeln muss, oder ob es stürzt und Katar nicht mehr als dessen Freund gelten kann, wenn es mit der künftigen Anti-Regime-Regierung in Teheran verhandelt.

Katar hat sich bisher neutral verhalten. Es hat zwar erklärt, die Kommunikationswege zum Iran abgebrochen zu haben, nicht aber die Beziehungen zu ihm. Katar unterzeichnet Erklärungen, in denen es iranische Angriffe auf Golfstaaten verurteilt, während Al-Jazeera Partei für den Iran ergreift.

Katar hat keine Ahnung, wie es weitergehen soll, und versucht, sich alle Optionen offen zu halten – selbst wenn das bedeutet, dass Al Jazeera gegen die Stimmung in Katar vor Ort spricht.“

Diese Einschätzung, dass die katarische Führung die Kluft bewusst zulässt und sich alle Optionen offenhält, ist sehr treffend – und sehr typisch für die Politik des Emirats. Doch irgendwann wird entschieden sein, wie es im Iran weitergeht, und dann wird die katarische Herrscherfamilie vermutlich eine Entscheidung treffen müssen.

Falls die Mullahs überleben, wird Katar seine über die Muslimbruderschaft laufende globale islamistische Politik und insbesondere auch die Islamisierung Europas weiter vorantreiben. Wenn der Iran hingegen ein mehr oder weniger modernes säkulares Land wird, könnte sich der Kurs ändern.

Al Jazeera könnte dann aufgelöst werden oder zumindest große Teile der Gelder verlieren oder politisch umorientiert werden. Womöglich könnte sich Katar angesichts der neuen Machtverhältnisse in der Region sogar dazu gezwungen sehen, die Verbindungen mit den Muslimbrüdern zu lockern oder zu lösen.

Damit könnte der Kurs der US-Regierung – verschärfte Linie gegen die Muslimbrüder in den USA und gegen die Islamisierung Europas bei gleichzeitig engen Verbindungen mit dem katarischen Herrscherhaus – aufgehen. Ein Kippen Katars, dessen Oberschicht ihre Privilegien retten will, wäre dann nicht mehr ausgeschlossen.

Die Voraussetzung für eine solche Entwicklung wäre aber eben ein Sturz der Mullahs und ein wirklicher Systemwechsel im Iran. Das wiederum hängt von der Konsequenz der Kampagne der USA und Israels und der Stärke des Volksaufstandes ab.

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