Während Brüssel vom “größten Handelsabkommen der Geschichte” schwärmt und in Pressekonferenzen von einer Partnerschaft auf Augenhöhe fabuliert, sieht die Realität doch etwas anders aus. Der neue Indien-EU-Deal ist kein strategischer Meilenstein, sondern ein weiteres Kapitel europäischer Selbstüberschätzung und Eigensabotage.
Handelsabkommen an sich sind keine schlechte Sache. Zumindest dann, wenn alle beteiligten Länder davon auch tatsächlich profitieren, weil sie sich ergänzen. Doch im Falle des Abkommens zwischen der Europäischen Union und Indien existieren enorme Ungleichgewichte – zulasten der Europäer. Brüssel öffnet die Märkte, senkt die Schranken und feiert sich für seine Weltoffenheit, während Neu-Delhi knallhart die eigenen nationalen Interessen durchsetzt.
EU Council President António Costa proudly displays his OCI Card 🇮🇳🇪🇺
— India First Post (@ifpost47) January 27, 2026
“I am President of the European Council, but I’m also an Overseas Indian Citizen. It has a very special meaning. I’m proud of my roots in Goa.” pic.twitter.com/8wKum2k4f2
Der symbolische Moment, als EU-Ratspräsident António Costa vor laufenden Kameras seinen indischen Overseas-Pass zückte, mag emotional gemeint gewesen sein. Politisch war er entlarvend. Persönliche Verbundenheit ersetzt keine nüchterne Interessenanalyse. Und genau diese fehlt der EU einmal mehr.
India–EU Trade Deal 🌍 pic.twitter.com/3mCdYRwr1N
— Trade Brains (@TradeBrainsGrp) January 27, 2026
In Brüssel glaubt man noch immer an den Mythos, dass Freihandel automatisch Wohlstand für alle erzeugt. Indien glaubt daran nicht – und hat damit recht. Neu-Delhi verfolgt seit Jahren eine konsequente nationale Industriepolitik, schützt Schlüsselbranchen, subventioniert strategisch und nutzt Handelsabkommen gezielt als Hebel zur eigenen Entwicklung. Europa hingegen liefert sich selbst aus und stranguliert seine Industrie mit Klimaauflagen, Lieferkettengesetzen und Bürokratie. Das Ergebnis ist absehbar. Arbeitsintensive Industrien geraten unter Druck, Produktionsverlagerungen nehmen zu, mittelständische Betriebe verlieren Marktanteile. Gewinner sind wenige exportstarke Großkonzerne, Verlierer die industrielle Substanz Europas.
Europe Just Signed Its Own Death Warrant
— Laura Aboli Official (@LauraAboli_X) January 27, 2026
The EU has just announced a so called “historic” free trade agreement with India, proudly described as the mother of all agreements, covering 25% of global GDP and one third of world trade.
What they won’t tell you is that this deal… pic.twitter.com/5CPBCAa3eS
Für Indien ist das Abkommen ein Geschenk. Zugang zu einem der größten kaufkräftigen Binnenmärkte der Welt, Technologietransfer, Investitionen und politische Aufwertung – ohne nennenswerte Gegenleistungen. Neu-Delhi bindet Europa wirtschaftlich, ohne sich außenpolitisch festzulegen. Russland bleibt Partner, China bleibt Rivale und Geschäftspartner zugleich.
Yesterday’s EU-IND FTA happened on BJP’s 2013 conditions, dairy and core agriculture excluded. They stuck to their demands and made the EU accept them too.
— Aaraadhya Saxena 🇮🇳 (@ihailmyindia) January 28, 2026
Reading to oppose instead of understand leads to this. 🤡 https://t.co/9RoH7LOSMG pic.twitter.com/FszRGXsBSW
Besonders pikant ist die geopolitische Rolle, die Brüssel Indien zuschreibt. Nach dem politisch motivierten Bruch mit Russland und der wachsenden Abhängigkeit von China sucht die EU verzweifelt nach einem Ersatz. Indien soll Rohstoffe, Energie und Stabilität liefern. Doch für Neu-Delhi geht es hierbei vor allem um Machtzuwachs.
BREAKING: Details of the historic trade deal between India and the EU have emerged:
— The Kobeissi Letter (@KobeissiLetter) January 27, 2026
1. Eliminates tariffs on ~90% of goods trade between EU and India
2. Set to double EU goods exports to India by 2032
3. Tariffs on cars from EU to India cut from 110% to 10%
4. Tariffs on… pic.twitter.com/w3pNvZjaiW
Der “Markt der zwei Milliarden Menschen” wird dadurch zu einer Farce. Zumindest für die Europäer. Kaufkraft, Infrastruktur und Marktbedingungen sind nicht vergleichbar. Während europäische Unternehmen in Indien auf Bürokratie, lokale Vorschriften und politischen Protektionismus stoßen, öffnet Europa seinen Markt weitgehend bedingungslos.
🚨BREAKING: After 20 years of talks, India 🇮🇳 and the EU 🇪🇺 are set to unveil a historic trade deal.
— Jack Prandelli (@jackprandelli) January 27, 2026
• 2️⃣ billion people
• 2️⃣5️⃣% of global GDP
• A major reset in global trade flows 🌍
If confirmed, this redraws supply chains, investment routes, and geopolitical alignment for… pic.twitter.com/RmRLNjYlTq
Der Indien-EU-Deal ist keine “Mutter aller Abkommen”. Er ist die Mutter aller Illusionen. Und António Costas Passmoment war weniger Brückenschlag als Symbol dafür, wie sehr persönliche Narrative und eine emotionalisierte Politik inzwischen eine harte europäische Interessenanalyse ersetzen.
