In der Nacht auf Sonntag, den 11. Oktober, gingen bei der Polizei in Geldern (Nordrhein-Westfalen) gleich mehrere Meldungen ein: Offenbar machte eine Gang von „Südländern“ mit arabischem bzw. türkischem Erscheinungsbild regelrecht Jagd auf Discothekenbesucher, die sich auf dem Heimweg befanden. Mehrere Menschen wurden bei unprovozierten Prügelattacken schwer verletzt.
Aufsehen erregte diese blutige Nacht, weil ein Vater eines Opfers einen privaten Zeugenaufruf via WhatsApp verschickte, der sich rasant verbreitete. Die Rheinische Post sprach mit dem Mann: Sein 23-jähriger Sohn hatte demnach am Samstagabend in der Disco E-Dry in Geldern gefeiert und nachts vor dem Heimweg an einer Brücke zum Parkplatz noch mit zwei Frauen gesprochen. Dann sei eine Gruppe von sechs Männern – vier mit arabischem / türkischem Erscheinungsbild, zwei mit eher westeuropäischem Aussehen – dazugestoßen. Der 23-Jährige kannte weder die Frauen noch die Männer. Auch den Frauen waren die Männer nicht bekannt.
Die Situation sei nach Hinzukommen der Multi-Kulti-Gruppe sofort angespannt gewesen. Dann habe einer der Männer unvermittelt zugeschlagen (oder, laut Polizei, womöglich auch getreten). Den 23-Jährigen traf der Schlag mitten ins Gesicht. Auf Aufforderung entfernte er sich danach von der Gruppe, aber die Konsequenzen des Angriffs werden ihn noch lange begleiten: Am Sonntag musste er wegen heftiger Schmerzen zum zahnärztlichen Notdienst, von dort verwies man ihn direkt in die Kieferchirurgie. Diagnose: Kieferbruch. Auch die Nerven waren betroffen. Der junge Mann musste sich einer mehrstündigen Not-OP unterziehen und wird nun, mit fixiertem Kiefer und auf Flüssignahrung angewiesen, noch eine Weile im Krankenhaus verbringen müssen. Ob er bleibende Schäden erlitten hat, muss sich noch zeigen.
Sein Vater suchte via WhatsApp nach Zeugen und hat auch eine Belohnung von 500 Euro ausgesetzt. Der Polizei schmeckte das nicht besonders: Ein Polizeisprecher wies der Rheinischen Post gegenüber darauf hin, dass solche Aufrufe zu Selbstjustiz beitragen würden (gab’s da nicht gerade einen Film…?). Die Polizei bittet daher darum, dass sämtliche Hinweise ausschließlich an die Ermittlungsbehörden übermittelt werden, nicht an die Verfasser solcher Aufrufe.
Weitere Attacken in derselben Nacht
Brisant ist, dass noch weitere Meldungen über Angriffe durch Südländer in derselben Nacht bei der Polizei eingingen. Die Attacke auf den 23-Jährigen ereignete sich irgendwann zwischen 5:30 Uhr und 5:45 Uhr am 11. Oktober. Gegen 5:35 Uhr wollte sich ein 19‑Jähriger aus Straelen nach einem Besuch derselben Disco abholen lassen: Er wartete an der Venloer Straße mit Freunden, als sich ein 20 bis 25 Jahre alter Mann mit südländischem Aussehen einmischte, den 19-Jährigen verspottete und ihm unvermittelt mit der Faust ins Gesicht schlug. Der Täter verschwand in unbekannte Richtung, der 19-Jährige wurde leicht verletzt.
Weniger glimpflich ging ein Übergriff auf eine dreiköpfige Gruppe gegen 6:25 Uhr derselben Nacht aus. Die drei Männer (37, 34 und 20 Jahre alt) wurden laut Polizei von sieben unbekannten männlichen Personen attackiert. Die drei waren auf dem Heimweg, als sie von den als „Südländern“ beschriebenen Männern angepöbelt wurden. Einer der Südländer rannte dann plötzlich auf das 37-jährige Opfer zu und schlug ihm mit der Faust ins Gesicht. Der 20-jährige Mann wurde von einer Person aus der Gruppe ins Gesicht getreten. Es kam zum Handgemenge, wobei der 34-Jährige zu Boden ging und mindestens fünf Personen auf ihn eintraten. Die beiden älteren Männer mussten mit dem Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht werden.
Ein solches Vorgehen, bei dem eine Gruppe innerhalb kürzester Zeit wahllos Passanten angreift, habe es in dieser Form in Geldern bislang eher noch nicht gegeben, konstatierte ein Polizeisprecher: „Das kennen wir bisher nur aus Großstädten wie Köln oder Düsseldorf.“ Wegen der zeitlichen und örtlichen Nähe der Taten geht die Polizei von einem Zusammenhang aus. Es wird unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.