Grönland und der böse Donald Trump: Dänemarks Entrüstung ist reine Heuchelei

Inuit-Frau mit Spirale. (C) Report24/KI

Donald Trump will Grönland. Und während Kopenhagen empört “koloniale Fantasien!” ruft, lohnt ein Blick in den Spiegel. Denn Dänemark hat auf der größten Insel der Welt ein historisches Kapitel geschrieben, das mit Selbstbestimmung und Menschenrechten wenig zu tun hatte.

Grönland war einst eine dänische Kolonie. Von 1721 bis 1953 herrschte Dänemark über die gewaltige Insel, ohne dass die Ureinwohner, die Inuit, überhaupt eine politische Mitsprache gehabt hätten. Handel, Ressourcen, Bildung, Siedlungspolitik – alles lief über Dänemark. Das berühmte Handelsmonopol machte die indigene Bevölkerung wirtschaftlich abhängig und nahm ihr die Möglichkeit, selbstbestimmt zu agieren.

Besonders unrühmlich waren die Zwangsumsiedlungen. 1953, im selben Jahr der formalen “Integration” (Grönland wurde zum “Reichsteil”), kam es zur berüchtigten Thule-Umsiedlung. Über 100 Inuit wurden aus ihrer Heimat vertrieben, damit die USA eine strategische Luftbasis errichten konnten. Familien wurden auseinandergerissen, traditionelle Jagdgebiete gingen verloren, und die Menschen landeten hunderte Kilometer entfernt in einer lebensfeindlichen Ersatzregion.

Noch zynischer war das Experiment mit den Kindern. Zwischen 1951 und 1976 wurden Hunderte Inuit-Kinder nach Dänemark gebracht, um sie dort gezielt zu “dänisieren”. Ziel war es, eine westlich geprägte Elite zu bilden, die später die Insel nach dänischen Vorstellungen mitverwalten sollte. Viele dieser Kinder kehrten traumatisiert zurück, ohne Kenntnisse der eigenen Muttersprache, ohne Identität, oft entfremdet von ihren eigenen Familien.

Parallel dazu lief ein Eingriff in die reproduktiven Rechte, der erst Jahrzehnte später ernsthaft diskutiert wurde. Von 1966 bis in die 1970er Jahre wurden tausende grönländische Frauen ohne ausreichende Einwilligung mit Spiralen versehen, um die Geburtenrate zu senken. Auch Minderjährige waren betroffen. Eugenetische Maßnahmen, geprägt vom Rassismus gegen die Inuit.

Eine strukturelle Diskriminierung der Ureinwohner begleitete diese Politik. Dänische Siedler und Inuit lebten oft in getrennten sozialen Realitäten. Ressourcenerschließung – von Fischerei bis Bergbau – erfolgte lange ohne echte indigene Beteiligung. Das war eine strukturelle Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, die Dänemark zugutekam, kaum jedoch den Inuit im Land selbst. Die Anerkennung des Unrechts kam spät, die Entschädigungen blieben halbherzig, und die politische Aufarbeitung war mehr Schadensbegrenzung als Gerechtigkeit.

Und jetzt also Trump. Der Mann, der Grönland zum 51. US-Bundesstaat erklären würde, wenn man ihn ließe. Kopenhagen gibt sich moralisch entrüstet. Doch was ist mit der Selbstbestimmung der Grönländer, vor allem der Inuit selbst? Der US-Präsident mag zwar nicht sonderlich viel diplomatische Feinmotorik besitzen – aber was ist, wenn er den Menschen Grönlands ein großartiges Angebot macht, das auch den Wohlstand der an Ressourcen reichen Insel mehrt? Was ist, wenn es ein Deal ist, der auch mit umfangreichen Investitionen und finanziellen Beteiligungen für die Grönländer selbst verbunden ist?

Grönland selbst hat dank des Selbstverwaltungsgesetzes von 2009 substanzielle Zuständigkeiten von Kopenhagen übertragen bekommen. In Kapitel 8 des Gesetzes wird über ein mehrstufiges Verfahren – inklusive Volksabstimmung – zudem explizit der Weg zu einer möglichen staatlichen Unabhängigkeit eröffnet. In einem weiteren Schritt könnte die neue grönländische Nationalregierung dann (unter Umständen auch über eine weitere Volksabstimmung) den Beitritt zu den Vereinigten Staaten ermöglichen – oder aber auch eine andere Form der wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit suchen. Auch hier sei angemerkt, dass die meisten Parteien in Grönland unabhängigkeitsfreundliche Positionen vertreten, die sich lediglich in Sachen Tempo, Strategie und Prioritäten unterscheiden.

Für die Amerikaner selbst gilt es auch zu bedenken, dass Grönland bislang finanziell stark von Dänemark abhängig ist und der öffentliche Haushalt in etwa zur Hälfte aus dänischen Zuschüssen bestritten wird. Ohne entsprechende Zusicherungen wäre eine Loslösung von Dänemark trotz der historischen Ungerechtigkeiten kaum mehrheitsfähig.

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