Die österreichische Energiepolitik hat sich selbst ein Bein gestellt. Oder eher abgeschnitten. Statt der jahrzehntelangen, stabilen Lieferverträge mit der russischen Gazprom kauft die OMV nun teures Gas auf dem Spotmarkt und Europa fehlt es an Raffineriekapazitäten für Benzin und Diesel. Die selbstverschuldete Sackgasse idiotischer Ideologie.
Österreich bezog jahrzehntelang günstiges, russisches Erdgas. Russland lieferte zuverlässig, ohne jede Unterbrechung, den ganzen Kalten Krieg hindurch. Der aktuelle Vertrag zwischen der OMV Gas Marketing & Trading und Gazprom Export stammt aus dem Jahr 2006 und wurde 2018 verlängert. Er sah Lieferungen bis 2040 vor, bei Nichtkündigung sogar bis 2045. Täglich flossen rund 7.400 Megawattstunden an der slowakisch-österreichischen Grenze, das entspricht etwa 5 Terawattstunden pro Monat oder 60 Terawattstunden im Jahr, also rund sechs Milliarden Kubikmeter Gas. Ein Großteil des heimischen Bedarfs, der 2023 bei etwa 75 Terawattstunden lag. Über diese Verträge bezog die OMV Pipeline-Erdgas aus Sibirien als stabile Basis für die heimische Versorgung.
Die Preise waren klassisch ölindexiert und mit einer Take-or-Pay-Klausel versehen. Die exakten Zahlen blieben vertraulich, doch lagen die Langfristpreise deutlich unter dem damaligen Spotmarktniveau. Die Take-or-Pay-Klausel sicherte Planbarkeit für beide Seiten und hielt die Kosten für die österreichischen Haushalte und die Industrie in überschaubarer Höhe. Das alles änderte sich mit der Kündigung der Verträge durch die OMV am 11. Dezember 2024. Die OMV begründete den Schritt mit „mehreren grundlegenden Vertragsverletzungen“. Die Regierung, die eine Kommission eingesetzt hatte, wie man vorzeitig aus dem Vertrag aussteigen könne, feierte das als strategischen Befreiungsschlag vom bösen Russen. Doch die Folgen sind bitter. Für Österreich, der Regierung sind sie egal.
Seit der Kündigung kauft Österreich das Gas auf dem Spotmarkt ein, vor allem am TTF-Hub oder über den CEGH in Baumgarten. Aktuell, Anfang April 2026, liegt der TTF-Spotpreis bei 47,61 Euro pro Megawattstunde. Der Preis ist ausgesprochen volatil und deutlich höher als die stabilen Langfristpreise der Vor-Ukraine-Ära. Die OMV hat zwar diversifiziert (Norwegen, LNG, eigene Förderung), doch die Abhängigkeit vom stark schwankenden Spotmarkt bleibt. Statt planbarer Kosten gibt es nun starke Preissprünge, die sich auf die Haushaltsrechnungen und die Industrieproduktion niederschlagen.
Die Versorgung Österreichs war gesichert, bis die Moralpolitik dazwischenkam. Vor dem „Befreiungsschlag“ der Regierung lag der Grenzübergangspreis für russisches Pipeline-Gas nach Österreich (also im Wesentlichen der OMV-Einkaufspreis) in den Jahren 2019–2021 typischerweise bei ca. 10–22 €/MWh. Den gesamten März 2026 lag er bei über 50,- Euro. Und es gibt keine Gewissheit, dass er nicht rasant weiter steigen könnte. Der Unterschied zwischen 10,- und 50,- Euro macht bei 75TWh Verbrauch übrigens 3 Milliarden Euro aus. Jährlich. Wenn der Preis aufgrund der Folgen des Irankrieges wie im August 2022 auf 350,- Euro steigt, dann wären das 25,5 Milliarden jährliche Zusatzbelastung der österreichischen Industrie und Haushalte.
Aber es wird noch besser. Denn parallel zur Sabotage der Energieversorgung durch die Regierung fehlen in der gesamten EU ausreichende Raffineriekapazitäten für Benzin und Diesel. Die Union ist Netto-Importeur von Diesel, etwa 10 bis 20 Prozent des Bedarfs kommen von außen, früher viel aus Russland, heute aus dem Golf, aus den USA oder Indien. Seit 2024 hat Europa rund 400.000 Barrel pro Tag an Raffineriekapazität verloren, fünf Raffinerien wurden allein in den letzten zwei Jahren geschlossen. Der Grund lag nicht in mangelnder Nachfrage, sondern in bewusster Anti-Industrie-Politik. Der Green Deal, das Fit-for-55-Paket und steigende CO₂-Kosten haben Raffinerien unattraktiv gemacht, sie galten als Auslaufmodelle. Die Margen schrumpften, der Fokus lag auf Dekarbonisierung und E-Mobilität. Als Folge haben Unternehmen ihre Kapazitäten zurückgefahren oder ganz dichtgemacht, in Deutschland, den Niederlanden und dem Rest des klimablöden Kontinents.
Jetzt rächt sich diese blauäugig-idiotische Anti-Industrie-Politik. Der Irankrieg und die Blockaden in der Straße von Hormus lassen importierte Raffinerieprodukte ausfallen. Diesel und Kerosin werden knapp, die Preise steigen, die Tankstellen mancher Länder melden bereits Engpässe. Statt auf den Aufbau eigener Kapazitäten setzte man auf Importe aus unsicheren Regionen. Die gleiche ideologische Dummheit, die bei Gas zum Ausstieg aus den günstigen und zuverlässigen Langfristverträgen führte, hat beim Öl den Ausbau der Raffineriekapazitäten verhindert. Mit dem Ergebnis höherer Abhängigkeit, höherer Preise und geringerer Resilienz. Die EU und unsere Regierung hofierten muslimische Diktatoren und wollten von dort moralisch einwandfreies Öl und Gas importieren. Russisches Öl und Gas waren auf einmal böse. Außer man kaufte es über Zwischenhändler in der Türkei oder Indien, dadurch wurde es moralisch gereinigt.
Die EU und unsere Regierung wollen keine böse Industrie in Europa, die böses CO2 ausstößt. Also bezog man alle Produkte, die man trotzdem brauchte, aus dem Ausland. Um das Klima zu lenken. Denn mit Ideologie lässt sich weder heizen noch ein Zentner Kartoffeln liefern, irgendwer musste die Versorgung der Bürger und der Wirtschaft ja sichern. Das Resultat von ideologisch getriebener, moralisch selbstbesoffener, aber leider völlig realitätsferner und absolut dummer Politik sehen wir jetzt live jeden Tag an unseren Tankstellen, an der Inflation, am Niedergang der Wirtschaft. Dumm. Dümmer. Regierungs- und EU-Politik.
