Niemand kennt sich mit islamischem Extremismus besser aus als die Moslems selbst. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben nun britische Unis aus dem Stipendiumsförderungsprogramm ausgeschlossen, weil man den Einfluss der Moslembruderschaft auf die Studenten fürchtet.
Viele junge Menschen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten studieren im Ausland. Vor allem in den Vereinigten Staaten und anderen englischsprachigen Ländern, wie dem Vereinigten Königreich und Australien. Um diese Studenten mit großzügigen Mitteln zu unterstützen, hat die Regierung Listen mit Universitäten erstellt, für die die Studenten Stipendien erhalten können. Doch für das kommende akademische Jahr gibt es eine Änderung.
Denn dieses Mal stehen keine britischen Hochschulen mehr auf den Listen. Den Medienberichten zufolge liegt dies daran, dass man seitens der Regierung der Emirate Sorgen über den Einfluss der Moslembruderschaft hat. Demnach wollen die VAE nicht, dass ihre Studenten während des Studiums an britischen Universitäten radikalisiert werden. Wer jedoch trotzdem dort studieren wolle, könne dies auf eigene Kosten tun. Im Jahr 2024 gab es an den Hochschulen im Vereinigten Königreich demnach rund 8.500 Studenten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Die Vereinigten Arabischen Emirate setzen sich schon seit Langem für ein weltweites Verbot der Moslembruderschaft ein, welche im eigenen Land als Terrorgruppe klassifiziert wird. Unterstützung erhält diese extremistische Bewegung vor allem aus Katar, aber auch aus der Türkei. Deren politische Führungen gelten als wohlwollend gegenüber der Organisation, die weltweit versucht, an Einfluss unter den sunnitischen Moslems zu gewinnen. Die Moslembruderschaft gilt als Israel-feindlich und auch als wichtiger Unterstützer der ebenfalls islamistischen Hamas.
Die Entscheidung der Emirate steht im Zusammenhang mit jahrelangen Spannungen zwischen Abu Dhabi und London über den Umgang mit islamistischen Netzwerken. Bereits 2014 hatte die britische Regierung eine offizielle Untersuchung zur Moslembruderschaft eingeleitet, nachdem mehrere Golfstaaten auf deren politische und gesellschaftliche Einflussnahme hingewiesen hatten. Der Abschlussbericht fiel jedoch vergleichsweise zurückhaltend aus und führte zu keinem umfassenden Verbot. Aus Sicht der Emirate blieb damit ein zentrales Sicherheitsrisiko bestehen, da Großbritannien weiterhin als Rückzugs-, Organisations- und Rekrutierungsraum für islamistische Akteure gilt, die in anderen Staaten als extremistisch oder terroristisch eingestuft sind.
Hinzu kommt, dass britische Universitäten in den vergangenen Jahren mehrfach durch studentische Vereinigungen, Gastredner und politische Kampagnen in den Fokus geraten sind, denen ideologische Nähe zur Moslembruderschaft oder zu deren internationalen Netzwerken nachgesagt wird. Insbesondere an großen Campusstandorten kam es laut Berichten zu einer engen Verzahnung von religiösen Initiativen, politischen Aktivistengruppen und ausländisch finanzierten Organisationen. Vor diesem Hintergrund bewerten die Emirate das akademische Umfeld im Vereinigten Königreich offenbar als nicht mehr ausreichend kontrollierbar, um ihre Studenten vor ideologischer Einflussnahme zu schützen. Die Streichung britischer Hochschulen aus dem Förderprogramm ist damit weniger eine bildungspolitische Maßnahme als ein sicherheitspolitisches Signal – sowohl an London als auch an andere westliche Staaten, die islamistische Strukturen bislang nur unzureichend eingrenzen.
