Es braucht echte Verantwortungsträger mit Gewissen in Führungspositionen

Symbolbild: natanaelginting

An den Schalthebeln, analysiert der österreichische Brigadier a. D. Josef Puntigam, sitzen heutzutage oftmals Personen, deren hervorstechendes Merkmal ihre „political correctness“ und ihre Austauschbarkeit ist. Tritt eine von ihnen zurück, wird sie ersetzt durch einen Nachfolger vom gleichen Stil – ein Phänomen, dem gegenüber sich die Bevölkerung ohnmächtig fühlt. Es gilt, so Puntigam, wieder echte Vorbilder in Führungspositionen zu bringen. Aufrichtige Menschen, die sich trauen, sie selbst zu sein.

Mit freundlicher Genehmigung von Josef Puntigam
(Hervorhebungen und Zwischentitel durch Redaktion)


Die „Unverwechselbarkeit“ als Führungsprinzip in Führungspositionen!

In Politik, Wirtschaft, Militär und Bildung regiert zurzeit das gut geölte Mittelmaß. Seine Vertreter sind rasch erkennbar. Glatt, sehr funktionell, fälschlicherweise oft als loyal bezeichnet, störungsfrei im Betrieb und untereinander absolut austauschbar, deswegen kann auch keiner zurücktreten, denn der Nachfolger ist von gleichem Zuschnitt. Die „Machthaber“ von heute entstammen mehrheitlich einer Generation, die nie für etwas kämpfen musste, die, wie meine Frau immer sagt, im „Honigtopf der Nachkriegsgesellschaft“ aufgewachsen sind. Der einzige Kampf, den sie führen, ist gegen den eben gleichen Konkurrenten. Der mit dem zeitgeistigeren Parteibuch wird nolens volens dann der Sieger – bis zur nächsten Wahl. Sie lernten ihre Karriere ordentlich planen, damit begannen Papa und Mama schon im Kindergarten. Sie rauften nie, waren nie schmutzig und haben nie in einem Hinterhof Fußball gespielt, schon gar nicht in der Pause ein Mädchen geküsst.

Zivilcourage und Widerspruchsgeist statt Parteiakademie

Alles wurde genau geplant, nichts durfte dem Zufall überlassen bleiben. Artigkeit stand vor Lausbüberei. Puritaner wurden im Sinne der Political Correctness am Fließband wie Gartenzwerge hergestellt. Wo sie frech sein durften bzw. mussten, bestimmte die Parteizentrale. Der zuständige politische Feind wurde klar beschrieben. Mitglieder der Feindpartei gelten als vogelfrei. Die heutigen Jungspatzen der Politik sind leuchtendes Beispiel dafür. Überzeugungen, Ideale, offener Mut und persönliche Ethik, Handschlagqualität und Verantwortungsfreude haben für sie einen geringen Stellenwert. Das Wochenende auf einem Golfplatz, in einem Nobel-Skiort und auf der Parteiakademie ist wichtiger als eine Bergtour oder ein riskantes Abenteuer. Ihre größten Abenteuer finden in gut klimatisierten Sitzungszimmern statt, oder in In-Lokalen.

Wo sind die Charaktere, die sich trauen, sie selbst zu sein?

Die Zahl jener, die sich mit viel Intelligenz, Fleiß, Anständigkeit und lauterem Charakter, ohne Ellbogenarbeit ihren Weg freimachen wollen, ist in der Minderzahl oder im Wettspiel um verantwortungsvolle Arbeitsplätze chancenlos. Ganz anders die Kerle, die sich die Lebensnähe und Bodenhaftung bewahrten. Die neben dem Studium brav und ehrlich arbeiteten, mit allen Bevölkerungsschichten Kontakt halten, Zivilcourage und Widerspruchsgeist entwickeln. Und um damit ihr persönliches Profil zu schärfen. Es sind Menschen mit Unverwechselbarkeit. Menschen, die sich getrauen „selbst“ zu sein, keine Kopie! Menschen mit Gewissen und Lauterkeit, Persönlichkeiten, die das, was sie sagen, auch selber vorleben und dazu stehen. Persönlichkeiten, die nicht unentwegt über ihre Pressesprecher ausrichten lassen müssen, dass sie falsch verstanden wurden.

Der Bürger fühlt sich ohnmächtig

Menschgewordene Sprechautomaten, Wiederkäuer, Erbsenzähler – dafür „politisch sündenfrei“, stehen häufig an den Schalthebeln. Und die Bürgerinnen und Bürger spüren das – sind aber ohnmächtig. Aber wir müssen wieder Verantwortungsträger in Führungspositionen bekommen. Wirkliche Vorbilder, denen man die Aufrichtigkeit und die Überzeugung ansieht. Die wieder etwas Windhundflair ausstrahlen. Sie werden durch die Kraft ihrer Empathie, ihrer Fähigkeit zur Perspektivenübernahme, ihres Könnens und Wollens, unser Vertrauen wieder gewinnen. Diese Führungspersönlichkeiten zu schaffen, ist das Ziel der Bildung! Diese unverwechselbaren Führungspersönlichkeiten wieder an prominente Stelle zu bringen ist der Sinn von Wahlen!

Zur Person:

Josef Paul Puntigam war als Chef der Infanterie des österreichischen Bundesheeres für die gesamte Offiziers – und Unteroffiziersausbildung der Infanterie, für die Bergführer-, Schilehrer- und Scharfschützenausbildung sowie für die Erstellung einschlägiger Vorschriften und deren Erprobung verantwortlich. Er zählt zu den wenigen Offizieren, die alle Spezialverwendungen des Bundesheeres vom Fallschirmjäger, Gebirgsjäger, Jagdkommandosoldat bis zum Ausbildungsoffizier für diverse Sonderausbildungen bekleideten. Als Experte für Führungsausbildung, Leadership, Lehrmethodik, Sonderausbildung, Überlebensfähigkeit und Durchhaltefähigkeit veröffentlichte er mehrere einschlägige Fachaufsätze.

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