Die Waffenarsenale – und ihre Auswirkungen auf die Kriege im Iran und der Ukraine

Iranische Drohnen, Raketen und Bomben. - Bild: Iran / X

Der Krieg am Golf zeigt bereits nach wenigen Tagen, wie entscheidend Waffenbestände für den Verlauf moderner Konflikte sind. Sowohl die USA und Israel als auch der Iran verbrauchen derzeit große Mengen an Raketen, Drohnen und Präzisionsmunition. Während Teheran unter zunehmendem militärischem Druck steht, geraten auch westliche Bestände unter Belastung. Besonders der hohe Verbrauch teurer Luftabwehrraketen könnte strategische Folgen haben – nicht zuletzt für den Krieg in der Ukraine.

Von Eric Angerer

Das Operationstempo war von Beginn an hoch. Sowohl die USA und Israel als auch der Iran verbrauchen mehr Waffen, als sie gleichzeitig nachproduzieren können.

Das in Tel Aviv ansässige Institut für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) schätzte bereits nach fünf Kriegstagen, dass die USA und Israel mehr als 2.000 Angriffe durchgeführt hatten, bei denen jeweils verschiedene Munitionstypen zum Einsatz kamen.

Der Iran

Laut INSS hatte der Iran zu diesem Zeitpunkt bereits 571 Raketen und 1.391 Drohnen abgefeuert. Viele davon dürften abgefangen worden sein.

Seitens des Iran war der Beschuss am zweiten und dritten Kriegstag am stärksten. Danach hat der Iran zunehmend weniger gefeuert (wir haben berichtet: Israelisches Militär gibt Zwischenbilanz nach vier Tagen).

Das liegt nicht nur an einer Erschöpfung der Vorräte, sondern vor allem daran, dass Israel und die USA Abschusseinrichtungen und Lager zerstören. Vor dem Krieg wurde Irans Arsenal auf über 2.000 ballistische Kurzstreckenraketen geschätzt.

Man geht davon aus, dass der Iran vor dem Krieg Zehntausende seiner Shahed-Drohnen in Serie produziert hat. General Dan Caine, der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte, erklärte jedoch bereits am 5. März, die iranischen Drohneneinsätze seien seit Beginn des Konflikts um 73 % zurückgegangen.

Es ist aber möglich, dass dieser dramatische Rückgang ein Versuch ist, Waffenbestände zu erhalten – doch die Aufrechterhaltung der Produktion wird zunehmend schwieriger. US-amerikanische und israelische Kampfflugzeuge haben immer mehr die Lufthoheit über dem Iran. Der Großteil der iranischen Luftverteidigung wurde zerstört.

Laut dem US-Zentralkommando (CENTCOM) konzentriert sich die nächste Phase des Krieges auf die Jagd nach Irans Raketen- und Drohnenwerfern, seinen Waffenbeständen und die Zerstörung der Produktionsstätten. Das ist keine leichte Aufgabe, denn der Iran ist dreimal so groß wie Frankreich und gebirgig. Die jüngere Geschichte zeigt auch die Grenzen von Luftkriegen auf.

Die USA

Die USA sind nach wie vor die stärkste Militärmacht der Welt. Anders als die Israelis hat es das US-Militär jedoch in der ersten Kriegswoche weitgehend vermieden, mit Flugzeugen über dem Iran zu operieren (will man doch keine gefangenen Piloten riskieren).

Deshalb war man bislang stark auf teure, präzisionsgelenkte Distanzwaffen angewiesen, die nur in begrenzten Stückzahlen produziert werden. Berichten zufolge hat Trump für Ende der Woche ein Treffen mit Rüstungsunternehmen einberufen, um Druck auf eine Produktionsbeschleunigung auszuüben. Dies deutet darauf hin, dass selbst die Ressourcen der USA in diesem Bereich an ihre Grenzen stoßen könnten.

Dieses Problem dürfte sich nun allerdings entspannen, da man mit der weitgehenden Kontrolle über den Luftraum über relative Handlungsfreiheit bei Angriffen aus nächster Nähe verfügt. Dabei kann dann andere und billigere Munition, über die die USA in riesigem Ausmaß verfügen, eingesetzt werden.

Auch Caine erklärte, die USA seien bereits von der Verwendung von Distanzwaffen – also kostspieligeren und hoch entwickelten Langstreckenwaffen wie Tomahawk-Marschflugkörpern – abgerückt. Die US-Luftwaffe setzt nun kostengünstigere „Stand-in“-Waffen ein – wie JDAM-Bomben –, die über dem Ziel abgeworfen werden können.

Und Mark Cancian, ehemaliger Oberst des US-Marinekorps und Mitarbeiter des in Washington ansässigen Center for Strategic and International Studies (CSIS), erklärte ebenfalls, dass die USA nach dem ersten Angriff aus der Distanz „nun kostengünstigere Raketen und Bomben einsetzen können“.

Er sagt, die USA könnten die Kämpfe auf diesem Niveau „nahezu unbegrenzt“ fortsetzen. Je länger der Krieg andauert, desto kürzer wird auch die Liste der Ziele – was eine allmähliche Verlangsamung des Operationstempos bedeutet.

Luftverteidigung

Mark Cancian zufolge verfügen die USA über Zehntausende JDAM-Bomben – die teuren Luftverteidigungssysteme sind jedoch knapp. In der Anfangsphase des Konflikts waren diese Systeme unerlässlich, um die Bedrohung durch iranische Vergeltungsangriffe abzuwehren.

Patriot-Raketen sind stark nachgefragt – nicht nur von den USA, sondern auch von ihren arabischen Verbündeten und der Ukraine. Jede Abfangrakete kostet mehr als 4 Millionen US-Dollar, und die USA produzieren derzeit schätzungsweise 700 Stück pro Jahr. Sollte der Iran weiterhin ballistische Raketen abfeuern können, werden diese begrenzten Bestände stark beansprucht.

Der Ablauf ist wie folgt: Das Radar scannt den Himmel, um anfliegende feindliche Ziele zu erkennen und zu lokalisieren. Die Kontrollstation lenkt die Raketen zum Ziel und kann den Detonationszeitpunkt anpassen. Der Raketenwerfer fasst bis zu 16 Raketen, die in weniger als neun Sekunden abgefeuert werden können.

Der CSIS-Experte Cancian schätzt, dass die USA über Bestände von rund 1.600 Patriot-Raketen verfügen – die in den letzten Tagen aufgebraucht worden sein dürften. Er meint, die USA könnten den Luft-Boden-Krieg zwar noch „lange“ führen, die Luftverteidigung sei jedoch „unsicherer“.

Und das Kostenverhältnis ist natürlich auch irrwitzig. 4 Millionen Dollar, um eine einzige iranische Rakete im Wert von 250.000 Dollar abzufangen!

Eine Änderung könnte nun eine neue israelische Technologie bringen: das System „Iron Beam“, mit dem Raketen der Hisbollah von einem unsichtbaren, hochpräzisen Laserstrahl buchstäblich in der Luft gegrillt wurden! Das System wurde offenbar in den letzten Tagen zum ersten Mal eingesetzt (wir haben berichtet: Israel grillt Hisbollah Raketen mit neuem Laser-Schutzschild).

Wie gut und in welchem Ausmaß die neue Technologie eingesetzt werden kann, wird sich erst in der Praxis beweisen müssen. Faktum ist aber, dass der Mangel an US-Patriot-Raketen Auswirkungen auf die Ukraine haben wird.

Manche Beobachter hatten vermutet, dass ein Krieg des Iran Russland schaden würde, weil es von den Mullahs keine Shahed-Drohnen mehr bekommen werde. Diese werden jedoch längst von Russland in Lizenz selbst hergestellt. Der Verbrauch von US-Abfangraketen am Golf dürfte hingegen Russland nutzen und der Ukraine schaden.

Laut Wolodymyr Selenskyj sind in nur drei Tagen im Iran-Konflikt mehr als 800 Patriot-Raketen verbraucht worden – mehr, als die Ukraine seit 2022 insgesamt erhalten hat. Ob die Angaben aus Kiew stimmen, lässt sich nicht unabhängig überprüfen.

Dieser Verbrauch dürfte bedeuten, dass Kiew in nächster Zeit weniger Patriots bekommen wird. Das könnte Russland in der Folge Angriffe erleichtern. Und er dürfte in Kiew die Alarmglocken schrillen lassen.

Selenskyj brachte daher den Amerikanern gegenüber einen Tausch ukrainischer Abfangdrohnen gegen Raketen des Flugabwehrsystems Patriot ins Spiel. Ob die US-Regierung darauf einsteigt und damit eine Entblößung eigener Stützpunkte im mittleren Osten riskiert, kann bezweifelt werden.

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