Das Fahren mit der Deutschen Bahn gilt als abenteuerlich: Die Sicherheit an Bahnhöfen erodiert, immer wieder kommt es während der Fahrt in Zügen zu Angriffen. Doch selbst wenn man die florierende Gewaltkriminalität im bunten Deutschland ausblendet, bleiben die Zustände bezeichnend: Eine aktuelle Anfrage bringt ans Licht, wie peinlich hoch die Zahl der Zugausfälle ist.
Die Deutsche Bahn ist für ihre Verspätungen hinreichend bekannt. Eine Anfrage des AfD-Bundestagsabgeordneten Martin Sichert zeigt nun allerdings, wie viel Glück man in Deutschland haben muss, dass der gewünschte Zug überhaupt kommt: Der Beantwortung durch das Verkehrsministerium nach kam es 2025 zu 480 (Teil-)Ausfällen pro Tag (!).
15 Züge pro Tag fallen gänzlich aus, bei 426 kommt es zum sogenannten “Teil-Ausfall” (wenn ein Zug beispielsweise eigentlich von München nach Hamburg fahren sollte, stattdessen jedoch vorzeitig in Berlin endet). Hinzu kommen täglich 39 Halt-Ausfälle, wenn ein angepeilter Bahnhof nicht angefahren werden kann.
Allein in den vergangenen zwei Jahren fielen demnach knapp 20.000 Züge aus; zusätzlich wurden 400.000 Teilausfälle verzeichnet. Seit 2021 sind in Summe rund eine Million Fernverkehrsverbindungen zum Teil ausgefallen, wie Nius bezugnehmend auf die Anfrage berichtet.
Martin Sichert selbst veröffentlichte ein Video auf Facebook:
Praktisch erscheint, dass Zugausfälle in betrieblichen Pünktlichkeitsstatistiken nicht berücksichtigt werden. Andernfalls sähe die ohnehin peinliche Pünktlichkeitsquote von 60,1 Prozent bei Fernzügen im vergangenen Jahr noch schlechter aus. Bei sehr hohen Verspätungen im Fernverkehr werden Züge mitunter auch einfach gestoppt: Fahrgäste sollen dann aussteigen und eine andere Verbindung nutzen. Die DB beharrt aber darauf, dass auf diese Weise nicht die Verspätungsstatistik geschönt werden soll. Als verspätet gilt ein Zug übrigens erst ab 6 Minuten Verzögerung.
Sichert kommentierte: “Kaum zu glauben, wie unzuverlässig die Infrastruktur der Bahn geworden ist. Einst waren wir in Deutschland bekannt für unsere Pünktlichkeit. Heute sind wir zur Lachnummer für andere Länder geworden.”
Immerhin etwas Positives kann man feststellen: In einem ausgefallenen Zug, den man entsprechend nicht besteigen kann, wird man zumindest auch nicht zu Tode geprügelt oder niedergemessert. Dass man in einer einst sicheren und fortschrittlichen Nation, die für ihre Zuverlässigkeit bekannt war, solche Gedanken entwickelt, ist jedoch ein Trauerspiel.
