Alle starren gebannt auf die Energiepreise, als wäre das der einzige Treiber der Inflation. Dabei spielt sich auch auf den Düngemittelmärkten ein Drama ab. Denn die Iran-Krise trifft auch die Düngerproduktion mit voller Wucht. Die Lebensmittelpreise dürften bald ordentlich steigen.
Bislang konzentrieren sich die Headlines der Mainstreammedien vor allem auf die Auswirkungen der Iran-Krise auf die Energiemärkte. Die Versorgung der Welt mit Erdöl und Erdgas steht unter Druck. Doch Letzteres spielt auch bei der Herstellung von Düngemitteln eine tragende Rolle. Nach dem Gaspreisschock in Europa wegen des Ukraine-Krieges und der westlichen Sanktionen gegen Russland sorgt nun die Schließung der Straße von Hormus für Probleme.
Denn weder die Dünger-Lieferungen aus dem Persischen Golf selbst, noch das weltweit zur Herstellung von Stickstoffdünger benötigte Erdgas kommen (in ausreichender Menge) durch die Meeresenge. Rund 20 Prozent des weltweiten LNG-Handels und mehr als ein Viertel des globalen Stickstoffdünger-Verkehrs zwängen sich durch die Straße von Hormus. Doch diese ist nun seit Wochen faktisch unpassierbar.
💢 A “food security timebomb” is unfolding, the IRC warns, as disruptions in the Strait of Hormuz threaten global fertilizer supplies.
— Drop Site (@DropSiteNews) April 4, 2026
The Guardian reports:
🔸 Roughly half of global food production depends on synthetic fertilizer. Prices are already rising, with benchmark urea… https://t.co/2B4HZN46oz pic.twitter.com/ERQQCRYmGG
So sind die Urea-Preise mittlerweile um rund 50 Prozent nach oben geschossen und selbst in den Vereinigten Staaten ist der Preis von Stickstoffdünger von 350 auf 600 Dollar pro Tonne explodiert. Für die Landwirte ist dies ein herber Schlag, insbesondere weil die Frühjahrsaussaat ansteht. Nicht wenige Bauern dürften sich deshalb bereits überlegen, auf andere – weniger düngerintensive – Pflanzen umzusteigen. Soja statt Mais und Weizen.
Doch damit werden sich auch die globalen Ernteprofile verändern. Ein Überangebot an Soja dürfte auf ein Unterangebot an Mais, Weizen und anderen Getreidearten stoßen. Entsprechend werden sich auch die Preise entwickeln, weshalb einige Krisenprofiteure sich schon an den Märkten entsprechend positionieren.
🚨 Added CORN to my portfolio
— NoLimit (@NoLimitGains) March 20, 2026
Everyone’s talking about oil. Nobody’s talking about food.
Higher fuel costs hit farming and fertilizer prices are moving (we already hold NTR). Grain exports are getting disrupted. Corn goes into feed, fuel and food production.
Remember what… pic.twitter.com/Pyl2hr1TaQ
Auch werden jene Düngemittelhersteller von den aktuellen Preisentwicklungen profitieren, die (wie zum Beispiel in Russland oder den Vereinigten Staaten) noch Zugang zu billigem Erdgas haben. Diese Produzenten können angesichts der aktuellen Entwicklungen geradezu Geld drucken. Dementsprechend profitieren bereits deren Aktienkurse.
Was jetzt aus Kostengründen oder einfach nur Mangel an ausreichend Dünger nicht auf die Felder ausgebracht wird, lässt sich im Herbst nicht ernten. Es handelt sich um einen irreversiblen Angebotsschock mit Zeitverzögerung. Der daraus resultierende Zweitrundeneffekt ist toxisch für die ohnehin fragile Preisstabilität: Energie- und Düngerkosten treiben die Agrarpreise, diese schlagen mit Verzögerung, aber voller Wucht auf die Verbraucherpreise durch. Bis Ende 2026 drohen zweistellige Teuerungsraten bei vielen Lebensmitteln.
Insbesondere importabhängige Staaten, deren Ernährungssicherheit direkt an den Weltmarktpreisen und den globalen Lieferketten hängt, dürften sich bereits in wenigen Monaten mit enormen Problemen konfrontiert sehen. Während die meisten Länder seit den Ölkrisen der Siebzigerjahre physische Energiereserven angelegt haben, existiert für den strategisch mindestens ebenso relevanten Düngermarkt kein vergleichbarer Sicherheitsmechanismus. Ausbaden dürfen dies am Ende natürlich vor allem die Menschen weltweit, die mit deutlich steigenden Lebensmittelpreisen und teilweise vielleicht sogar mit Versorgungsengpässen rechnen werden müssen.
