Die WEB MEIS und EVN wollen sieben leistungsstarke Windkraftanlagen im Herrschaftswald bei Kattau im Gemeindegebiet Meiseldorf bauen. Man kann aber den Strom nicht direkt vor Ort ins Netz einspeisen, daher muss eine Kabeltrasse her, die sich durch Sigmundsherberg, Pulkau, Zellerndorf, Röschitz und Eggenburg zieht. Auch Retz, Pernersdorf und Burgschleinitz-Kühnring sind direkt betroffen. Die Initiative „Windkraftfreies Meiseldorf“ informiert am Freitag, den 17. April, um 18:30 Uhr im Gasthaus Haller in Rodingersdorf bei Sigmundsherberg.
Von Angelika Starkl
Die geplante Kabeltrasse führt von Meiseldorf über mehrere Kilometer bis zum Umspannwerk Peigarten in der Gemeinde Pernersdorf. Es handelt sich um ein Mittelspannungs-Erdkabelsystem, das tief in den Boden verlegt wird und dabei zahlreiche Gemeindegrenzen überschreitet. Diese großräumige Betroffenheit führt dazu, dass Bürger und Gemeindevertretungen ein nachvollziehbares und berechtigtes Interesse daran haben, das Verfahren zu beeinspruchen.
Der massive Eingriff in den Boden durch die Kabellegung und die Gefährdung des international bedeutenden Wildtierkorridors im Pulkautal sind keine lokalen Einzelereignisse, sondern betreffen die ökologische Substanz der gesamten Region. Alle Bewohner der Gemeinden Sigmundsherberg, Pulkau, Zellerndorf, Röschitz, Eggenburg, Retz, Pernersdorf und Burgschleinitz-Kühnring sind direkt betroffen und haben daher das Recht, ihre Bedenken bis zum 4. Mai 2026 offiziell beim Amt der NÖ Landesregierung in St. Pölten schriftlich einzubringen, um die Zersplitterung ihrer Heimatlandschaft und die Belastung der wertvollen Naturräume kritisch zu verteidigen. Die Adresse für solche Eingaben ist:
Amt der NÖ Landesregierung
Abteilung Umwelt- und Anlagenrecht (WST1)
Landhausplatz 1, Haus 16
3109 St. Pölten
Die Errichtung von sieben Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von bis zu 261 Metern wird zur großen Belastung für die Region. Ein Hauptkritikpunkt ist der Standort innerhalb eines geschlossenen Waldgebiets. Für die Errichtung der Anlagen, die Kranstellflächen und die Infrastruktur müssten dauerhaft Waldflächen gerodet werden. Es führt zum Verlust von wertvollem Baumbestand, Bodenverdichtung und negativen Auswirkungen auf das lokale Mikroklima und angrenzende Feuchtbiotope wie die „Filzwiesen“.
Das Obere Pulkautal ist in Ost-West-Richtung ein entscheidender Korridor zwischen dem „Grünen Band“ an der tschechischen Grenze, mit dem Nationalpark Thayatal als Kernzone und dem Hauptkorridor zwischen den NÖ Kalkalpen und Tschechien. Damit erlangt das Planungsgebiet den Status eines wichtigen Nebenkorridors des Alpen-Karpaten-Korridors. Eine Verbauung könnte die Fernwanderwege von Wildtieren massiv beeinträchtigen und über Staatsgrenzen hinweg gefährden.
Sensible Waldökologie und Rodungspläne
Dokumentierte Flugbewegungen des Schwarzstorches und Brutvorkommen von Uhu und Raufußkauz im Umfeld des Planungsgebiets führen zu Bedenken. BirdLife hat die Zone schon 2013 als Ausschlusszone eingestuft. Der Herrschaftswald dient als Lebensraum für hochgradig gefährdete Arten wie die Mopsfledermaus und die Bechsteinfledermaus, die den Wald sowohl zur Jagd als auch für ihre Wochenstuben nutzen. Nach Angaben der örtlichen Jäger befindet sich im Gebiet zwischen Walkenstein und Pulkau einer der bedeutendsten Brunftplätze des Damhirsches in NÖ. Nicht zuletzt spielen das Landschaftsbild und die Auswirkungen auf die umliegenden Gemeinden eine große Rolle.
Laut der aktuellen Umweltverträglichkeitserklärung (UVE), Stand Nov. 2025, und historischen Stellungnahmen von BirdLife sowie Naturschutz-Experten wurden folgende sensible Arten im Projektgebiet identifiziert:
- Schwarzstorch: Es wurden Flugbewegungen dokumentiert. Kritiker weisen auf die Nähe zu Brutgebieten im Kamp- und Kremstal hin. In der aktuellen UVE wurde ein Revierzentrum im Bereich Therasburg vermutet.
- Weitere sensible Arten: Im Untersuchungsgebiet wurden Reviere des Raufußkauzes (Ostrand), des Uhu (Nordrand) und Bruten des Kiebitz (Südost) festgestellt. Auch die Kornweihe wird als sensible Art für den Planungsraum gelistet.
- BirdLife-Position: Historische Stellungnahmen von BirdLife zum Standort Meiseldorf (damals „Meiseldorf Nord“) äußerten große Bedenken hinsichtlich der Zerschneidung von Waldlebensräumen.
Der Bau dieses Projekts bedeutet umfangreiche Eingriffe in Landschaft und Infrastruktur. Über mehrere Kilometer hinweg sind massive Grabarbeiten erforderlich, die insbesondere die landwirtschaftliche Nutzung beeinträchtigen, da die Trasse häufig über Äcker und bestehende Feldwege verläuft. Zusätzlich müssen Schaltstationen errichtet oder bestehende Umspannwerke erweitert werden, etwa im Raum Retz beziehungsweise Zellerndorf, um die Spannung auf das Niveau des Übertragungsnetzes zu transformieren.
Trotz der unterirdischen Verlegung der Kabel kommt es zu einer dauerhaften Flächenbindung, da entlang der Trasse Schutzstreifen bestehen bleiben, auf denen keine tiefwurzelnden Gehölze wachsen dürfen. Dies führt faktisch zu einer teilweisen Versiegelung und langfristigen Einschränkung der Flächennutzung. Hinzu kommt eine kumulative Belastung, da viele der betroffenen Gemeinden bereits durch bestehende Windparks oder Stromtrassen vorbelastet sind.
Im Zentrum der Diskussion stehen zudem Entschädigungsfragen, da sowohl Grundeigentümer als auch Gemeinden eine angemessene Abgeltung für die Inanspruchnahme ihrer Flächen fordern. Gleichzeitig wird auf eine optische Entwertung des Naherholungsraums hingewiesen, die sich negativ auf die Lebensqualität der lokalen Bevölkerung sowie auf den Tourismus in der Region auswirken kann. Auch mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen beziehungsweise eine Minderung des Wohlbefindens durch Infraschall werden thematisiert. Kritiker sehen darüber hinaus wirtschaftliche Interessen einzelner Energieunternehmen wie EVN und WEB über den Schutz der Natur und die Anliegen der betroffenen Bürger gestellt.
