Seit Samstag (3. Januar) lag der Südwesten Berlins im Dunkeln. Bei eisigen Temperaturen bis minus acht Grad fehlte nicht nur Strom für Licht und Heizung – die Finsternis machte die betroffenen Viertel auch zur leichten Beute für Plünderer. Die Polizei war im Dauereinsatz und registrierte 20 versuchte oder gelungene Einbrüche: 450 Beamte der Berliner Polizei überwachten das Blackout-Gebiet.
Der Brandanschlag auf eine Kabelbrücke über den Teltowkanal, zu dem sich die linksextreme „Vulkangruppe“ bekannte, hat Zehlendorf, Nikolassee, Wannsee und Teile von Lichterfelde in einen der längsten Blackouts der Nachkriegszeit gestürzt. Am Dienstag waren noch immer 25.500 Haushalte und 1220 Gewerbe ohne Strom. Viele Bewohner haben ihre Häuser und Wohnungen verlassen, um bei Verwandten oder in Hotels unterzukommen.
Leerstehende Villen und dunkle Straßen boten Kriminellen ideale Bedingungen. Innerhalb von drei Tagen wurden 20 Einbruchsdelikte festgestellt. Davon waren sieben Einbrüche vollendet, der Rest Versuche. Besonders betroffen waren Villen (dreimal vollendet und drei Versuche) und Wohnungen (viermal vollendet, vier Versuche), aber auch Geschäfte (vier Versuche) und Geldautomaten (zwei Versuche). Zum Vergleich: Im Vorjahr gab es in dem Gebiet im gleichen Zeitraum sieben vollendete Einbrüche und sechs Versuche. Die aktuelle Dunkelziffer ist indessen völlig offen: Es wird sich zeigen, wie viele Menschen nach dem Stromausfall nun in aufgebrochene Häuser und Wohnungen zurückkehren.
Remmo-Clan wollte Geldautomaten aufbrechen
Ein prominenter Diebstahlversuch ereignete sich in der Nacht zum Montag in Nikolassee: Polizisten entdeckten zufällig vier EinMänner (27 bis 34 Jahre alt), die offenbar einen Geldautomaten auf der Spanischen Allee aufbrechen wollten.
„Im Rahmen ihrer Streife im vom Stromausfall betroffenen Gebiet bemerkten die Polizistinnen und Polizisten einer Einsatzhundertschaft gegen 21:30 Uhr auf der Spanischen Allee einen Mann, der beim Erscheinen der Einsatzkräfte plötzlich von einem Geldausgabeautomaten flüchtete, zu einem in der Nähe geparkten Auto rannte und dort einstieg. Ein weiterer Mann, der zu diesem Zeitpunkt an diesem Auto stand, flüchtete vor den Einsatzkräften von dem Wagen weg. Weitere Einsatzkräfte nahmen den 32-Jährigen noch in der Nähe fest“, heißt es in der Polizeimeldung. Auch die anderen drei Männer, die mit dem Auto flüchteten, konnten gestoppt und festgenommen werden. Im Wagen wurde den Angaben zufolge Einbruchswerkzeug gefunden, der Geldautomat wies Einbruchsspuren auf. Nach einem Bericht der BILD soll es sich bei den vier Männern um Angehörige des berüchtigten Remmo-Clans handeln.
Auf freiem Fuß blieb dagegen ein Araber, der wohl das Blackout-Gebiet auskundschaftete, um mit unbekannten Komplizen auf Beutefang zu gehen. Obwohl in seinem Transporter Einbruchswerkzeug gefunden wurde, wurde er nach Feststellung seiner Personalien – unverständlicherweise – wieder auf freien Fuß gesetzt (Report24 berichtete). Ob seine Komplizen indessen fündig wurden, ist unklar.
Aufgrund der erhöhten Einbruchs- und Plünderungsgefahr verstärkte die Berliner Polizei ihre Präsenz in dem vom Stromausfall betroffenen Gebiet massiv. Zunächst waren 300 zusätzliche Beamte auf Streife unterwegs, ab dem 6. Januar wurde das Polizeiaufgebot noch einmal aufgestockt: Mit bis zu 450 Polizisten (Berliner Landespolizei plus Unterstützung der Bundespolizei), Hubschraubern, berittenen Streifen und mobilen Lichtmasten wurde das Gebiet überwacht.
Nach den aktuellen Zahlen war dieses Großaufgebot wohl relativ erfolgreich dabei, das von der Stromzufuhr abgeschnittene Areal zu schützen. Dass im linksbunten Berlin diese Maßnahmen besonders vonnöten sein würden, war den Verantwortlichen offenkundig bewusst. Doch wie schnell stoßen die Behörden an ihre Kapazitätsgrenzen, wenn noch größere Gebiete betroffen sind? Der Blackout in Berlin sollte als eindringliche Warnung dienen, nicht nur die kritische Infrastruktur bestmöglich abzusichern und vor Sabotage zu schützen, sondern auch der Versorgungssicherheit absolute Priorität einzuräumen – und nicht etwa grünem Dekarbonisierungswahn.
