Zehntausende Euro für einen Elektro-VW bezahlt – und dann begrenzt der Hersteller aus der Ferne, wie voll man den Akku noch laden darf. Wegen fehlerhafter Batteriezellen drohen bei mehreren VW-Modellen Fahrzeugbrände. Deshalb ist bei betroffenen Stromern vorerst bei 80 Prozent Ladestand Schluss. Das ist die schöne neue Elektroauto-Welt: Der Kunde bezahlt für den ganzen Akku, doch wie viel er davon nutzen darf, entscheidet nun Volkswagen.
Volkswagen kommt aus den Negativschlagzeilen nicht mehr heraus. Nach dem millionenfachen Rückruf wegen fehlerhafter Lenkschrauben machen nun wieder die Elektroautos Ärger. Bei bestimmten Modellen der Baureihen ID.3, ID.4, ID.7 und ID. Buzz sowie beim Cupra Born können fehlerhafte Hochvolt-Batteriezellen überhitzen und im schlimmsten Fall einen Brand verursachen. Betroffen sind Fahrzeuge aus bestimmten Produktionszeiträumen. Allein in Deutschland könnte eine niedrige fünfstellige Zahl von Stromern betroffen sein. Volkswagen selbst sprach zunächst von einigen Tausend. Verantwortlich seien Produktionsfehler bei Zulieferern. Dem Kunden dürfte es ziemlich egal sein, wo der Pfusch entstanden ist. Er hat schließlich einen Volkswagen gekauft.
Die vorläufige Lösung des Konzerns ist jedenfalls bemerkenswert: Der Kunde soll seinen Akku nur noch bis 80 Prozent aufladen. Und dank moderner Technik muss der Wagen dafür bei entsprechender Online-Anbindung nicht einmal in die Werkstatt. Volkswagen kann die Ladegrenze per Software-Update aus der Ferne einrichten. Wie AUTO BILD berichtet, erhalten betroffene Besitzer zunächst eine entsprechende Nachricht über ihre VW-App. Anschließend setzt der Hersteller bei vernetzten Fahrzeugen die maximale Ladung auf 80 Prozent. Kunden ohne Online-Anbindung müssen diese Grenze selbst einstellen. So viel Fortschritt muss schließlich sein: Der Autobauer liefert ein Fahrzeug mit möglicherweise fehlerhafter Batterie aus – und kann anschließend per Funk dessen Nutzung einschränken.
Weltweiter Rückruf
In Großbritannien läuft die Aktion bereits seit der Woche vom 12. Oktober. Volkswagen bestätigt dort ausdrücklich, dass bei betroffenen Fahrzeugen der maximale Ladestand werkseitig begrenzt wird. Zwar empfiehlt der Konzern ohnehin, Elektroautos im Alltag möglichst nur bis 80 Prozent aufzuladen. Doch vor längeren Fahrten möchte man bekanntlich auch die restlichen 20 Prozentpunkte der Akkukapazität nutzen können. Gerade bei Stromern, deren Reichweite und Ladezeiten ohnehin für Diskussionen sorgen, dürfte eine solche Einschränkung kaum Begeisterungsstürme auslösen. Der Hersteller hat schließlich ein Elektroauto mit einer bestimmten Batteriekapazität verkauft. Nun müssen die Kunden darauf verzichten, diese vollständig auszuschöpfen.
Wie ernst die Sache ist, zeigen die offiziellen amerikanischen Rückrufunterlagen. Dort muss Volkswagen 22.524 Fahrzeuge des Modells ID.4 zurückrufen. Schon am 17. Juni ordnete das Produktsicherheitskomitee weitere Untersuchungen auffälliger Batterieereignisse an. Am 21. September lagen Erkenntnisse vor, wonach bestimmte Ladebedingungen bei einem Akkustand von mehr als 80 Prozent eine gefährliche thermische Reaktion innerhalb der Batterie – immerhin das teuerste Teil des gesamten Fahrzeugs – auslösen können. Zwei Tage später beschloss Volkswagen den Rückruf. Zwischen Januar 2024 und August 2026 hatte der Konzern in den USA 22 einschlägige Reklamationen registriert. Laut dem offiziellen Bericht vom 1. Oktober war die genaue Ursache weiterhin unbekannt. Eine funktionierende Reparaturlösung gab es ebenfalls noch nicht. Der Kunde soll also vorerst auf die volle Ladung verzichten, während Volkswagen weiter nach der Ursache sucht.
Auch in Österreich trifft es die Kunden. Rund 650 Fahrzeuge der VW-ID-Familie und weitere 200 Cupra Born sind dort nach Konzernangaben betroffen. Alle Besitzer sollen schriftlich informiert werden, zunächst müssen allerdings nur etwa 50 Fahrzeuge in die Werkstatt. Für die anderen bleibt vorerst die Ladebegrenzung. Wann sie wieder die volle Akkukapazität nutzen können, steht noch nicht fest. Die betroffenen Stromer dürfen also weiterfahren – solange sich ihre Besitzer an die Sicherheitsvorgaben halten.
Totale Kontrolle
Schon im März musste Volkswagen weltweit 94.031 Elektroautos wegen fehlerhafter Batteriemodule zurückrufen, darunter 28.158 Fahrzeuge in Deutschland. Auch damals bestand unter bestimmten Umständen Brandgefahr. Softwareupdates, Überprüfungen und gegebenenfalls der Austausch fehlerhafter Komponenten waren notwendig. Kaum sieben Monate später steht der Konzern schon wieder wegen seiner Hochvoltbatterien unter Druck. Dabei sollten die Stromer laut den Klimafanatikern doch die automobile Zukunft sichern. Bislang beschäftigt sich Volkswagen allerdings auffallend häufig damit, Probleme an genau diesen angeblichen Zukunftsfahrzeugen zu beheben.
Der Batterie-Rückruf führt unterdessen noch ein anderes Problem vor Augen: die zunehmende Kontrolle der Hersteller über die Funktionen gekaufter Fahrzeuge. Report24 berichtete bereits im August 2025 darüber, dass Volkswagen beim ID.3 in Großbritannien zusätzliche Motorleistung gegen Bezahlung freischaltet. Die notwendige Technik steckt längst im Auto, doch die Software begrenzt dessen Leistung. Gegen monatliche Zahlung gibt es die zusätzlichen PS. Nun kann Volkswagen bei entsprechend vernetzten Stromern auch die maximale Akkuladung aus der Ferne begrenzen. Diesmal geschieht das aus Sicherheitsgründen. Doch das Prinzip bleibt: Der Hersteller hat die technischen Möglichkeiten, zentrale Fahrzeugfunktionen auch nach dem Kauf zu verändern. Erst gibt es die volle Motorleistung gegen Aufpreis, jetzt wegen Brandgefahr weniger nutzbare Batteriekapazität. Was kommt als Nächstes?
Und das ist die „Mobilität der Zukunft“…
Und all das trifft einen Autokonzern, der ohnehin mitten in einer gewaltigen Sparrunde steckt. Mehr als 35.000 Arbeitsplätze sollen bis 2030 an deutschen VW-Standorten wegfallen, die Produktionskapazitäten dauerhaft um 734.000 Fahrzeuge schrumpfen. Volkswagen muss seine Kosten drücken und zugleich Milliarden für die Umstellung auf Elektroautos aufbringen. Die von der Politik forcierte Verkehrswende verlangt der deutschen Autoindustrie enorme Investitionen ab, während hohe Energiepreise und internationaler Wettbewerbsdruck den Standort zusätzlich belasten. Ausgerechnet die als Zukunft der Mobilität gepriesenen Stromer verursachen nun schon wieder Sicherheitsprobleme und Rückrufkosten. Wie teuer die jüngste Aktion wird, hat Volkswagen bislang nicht beziffert.
Früher kaufte man ein Auto, tankte voll und fuhr los. Heute hängt bei manchen Stromern selbst die maximal mögliche Akkuladung oder die tatsächliche Motorleistung von den Softwareeinstellungen des Herstellers ab. Volkswagen demonstriert nun unfreiwillig, wie weit diese Kontrolle bereits reicht. Die Kunden haben den vollen Kaufpreis bezahlt, müssen wegen möglicher Batteriebrände aber vorerst mit Einschränkungen leben. Für den Konzern heißt es jetzt, die Fehler zu finden und zu beheben. Für die betroffenen Besitzer gilt unterdessen die schöne neue VW-Rechnung: 100 Prozent bezahlen, maximal 80 Prozent laden.