6 Billionen Euro für die „Klimarettung“ veranschlagt: Industrie flüchtet ins Ausland

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Milliarden waren gestern: Sechs Billionen (!) Euro soll Deutschland bis 2045 für die sogenannte Klimaneutralität investieren. Unternehmen und private Haushalte sollen den Löwenanteil aufbringen. Doch für die deutsche Industrie ist der Klimakurs nicht tragbar: Sie verschiebt schon seit Jahren Investitionen, baut Kapazitäten ab und verlagert die Produktion sukzessive ins Ausland. Die neue KfW-Studie der staatlichen Förderbank klammert die Deindustrialisierung Deutschlands jedoch lieber aus.

35 Prozent der deutschen Industriebetriebe verschieben notwendige Investitionen in ihre Produktionsprozesse, weil ihnen die hohen Energiekosten, sowie die hohe Steuer- und Abgabenlast das Geld dafür rauben. Rund 40 Prozent beschäftigen sich mit einer Einschränkung ihrer Aktivitäten in Deutschland oder mit Verlagerungen ins Ausland, haben entsprechende Schritte eingeleitet oder bereits umgesetzt. Bei großen Industrieunternehmen sind es sogar 60 Prozent. Dort setzt etwa jeder dritte Betrieb bereits Verlagerungsmaßnahmen um. Diese Zahlen stammen aus dem Energiewende-Barometer 2026 der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), für das im Juni rund 3.100 Unternehmen aus verschiedenen Branchen befragt wurden. Zwei Drittel der Industriebetriebe sehen ihre Wettbewerbsfähigkeit durch die hohen Energiepreise beeinträchtigt.

Sechs Billionen Euro Investitionen

Und ausgerechnet in dieser Situation präsentiert die staatliche Förderbank KfW eine neue Rechnung für die deutsche „Klimarettung“. Um bis 2045 „klimaneutral“ zu werden (also die utopischen Netto-Null-Vorgaben zu erreichen), müsste Deutschland laut einer am 12. Oktober veröffentlichten Prognos-Studie rund sechs Billionen Euro in entsprechende Technologien investieren. Durchschnittlich 290 Milliarden Euro jedes Jahr. Knapp drei Billionen Euro beziehungsweise rund 140 Milliarden Euro jährlich entfallen dabei auf Unternehmen sämtlicher Branchen, einschließlich öffentlicher Betriebe. 2024 brachten diese Unternehmen laut KfW gerade einmal 80 Milliarden Euro für solche Investitionen auf. KfW-Vorstandschef Stefan Wintels spricht dennoch von „anspruchsvollen, aber machbaren Herausforderungen“.

Die Unternehmen sollen ihre jährlichen Investitionen in diesem Bereich also massiv steigern, obwohl sie bereits bestehende Projekte auf Eis legen. Ein besonders deutliches Beispiel liefert die Chemie- und Pharmaindustrie. Laut einer im Juli veröffentlichten Erhebung des Branchenverbandes VCI verlagern bereits 43 Prozent der befragten Unternehmen Investitionen zumindest teilweise ins Ausland. 45 Prozent rechnen für 2026 mit sinkenden Investitionen in Deutschland. Nur jedes fünfte Unternehmen will mehr investieren. Mehr als 80 Prozent nennen hohe Standortkosten sowie die Energie- und Klimapolitik als wesentliche Belastungen ihrer Investitionsentscheidungen. Ausgerechnet jene Betriebe, die für ihren Umbau im Sinne der Klimareligion Milliarden benötigen würden, sehen andernorts bessere wirtschaftliche Bedingungen.

Schon jetzt schrumpft die Investitionsbereitschaft

Wie ernst die Lage ist, zeigt auch eine DIHK-Sonderauswertung vom April. 43 Prozent der befragten Industrieunternehmen planen Auslandsinvestitionen. Unter den Betrieben, die hauptsächlich aus Kostengründen im Ausland investieren wollen, beabsichtigen 44 Prozent zugleich, ihre Investitionen in Deutschland zurückzufahren. 47 Prozent planen sogar einen Abbau heimischer Arbeitsplätze. Teure Energie ist dabei nur ein Teil der Belastung. Hinzu kommen hohe Arbeitskosten, Steuern, Bürokratie und langwierige Genehmigungsverfahren. Die Bundesregierung hält an ihren utopischen Klimazielen fest, während sich immer mehr Investitionsentscheidungen gegen den Standort Deutschland richten.

Selbst die KfW wies erst im Juli auf die Investitionsschwäche der deutschen Wirtschaft hin. 92 Prozent der befragten Unternehmen meldeten grundsätzlich Investitionsbedarf, doch lediglich 61 Prozent planten entsprechende Projekte für die folgenden zwölf Monate. Im Vorjahr hatten nur 57 Prozent tatsächlich investiert. KfW-Chef Wintels beklagte damals, dass zu viele Projekte seit Jahren in der Warteschleife steckten. Im September registrierte die Förderbank zwar wieder steigende Unternehmensinvestitionen, bewertete die Gesamtlage wegen schwieriger Finanzierungsbedingungen und großer Unsicherheit aber weiterhin als gemischt. Drei Monate nach ihrer Warnung vor der Investitionsschwäche legt die KfW nun eine Klimarechnung vor, für die die Unternehmen über Jahrzehnte erheblich mehr Kapital mobilisieren müssten.

Utopische Annahmen

Der eigentliche Knackpunkt steckt jedoch in den Annahmen der neuen Studie. Auf Seite 12 des Prognos-Originalberichts erklären die Autoren ausdrücklich, dass die untersuchten Szenarien keine grundsätzliche Veränderung der deutschen Wirtschaftsstruktur vorsehen. Ein deutlicher Rückgang des Industriesektors findet demnach nicht statt. Die deutschen Stahlwerke, Chemiebetriebe und anderen energieintensiven Industrien sollen ihre Produktion weitgehend erhalten und gleichzeitig Milliarden in neue Verfahren investieren. Stahl soll künftig beispielsweise verstärkt mit (übrigens sündhaft teurem) Wasserstoff erzeugt werden. Dafür braucht es gewaltige Mengen bezahlbarer Energie, entsprechende Infrastruktur und Unternehmen, die bereit sind, das wirtschaftliche Risiko dieser Umstellung zu tragen.

Was passiert aber, wenn die energieintensive Industrie wegen der hohen Standortkosten weiter schrumpft? Dann fehlt nicht allein ein Teil der Unternehmen, die den Umbau finanzieren sollen. Deutschland verliert auch Wertschöpfung, Arbeitsplätze und wirtschaftliche Substanz. Eine Fabrik, die im Ausland neu gebaut wird, investiert ihre Milliarden schließlich nicht mehr in den Umbau eines deutschen Standortes entsprechend den Wünschen der Klimaideologen. Hinzu kommt die Frage, ob sich die geplanten Technologien überhaupt wirtschaftlich rechnen. Ein Stahlwerk kann auf grünen Wasserstoff umsteigen. Wenn die Produktionskosten anschließend deutlich über jenen der internationalen Konkurrenz liegen, hilft ihm die politische Zielvorgabe wenig. Seine Kunden können Stahl aus anderen Ländern kaufen. Höhere Investitionen ergeben nur dann wirtschaftlichen Sinn, wenn die Unternehmen damit langfristig wettbewerbsfähig produzieren können.

Wer soll das bezahlen?

Bei der Finanzierung räumen die Studienautoren selbst erhebliche Schwierigkeiten ein. Prognos ordnet lediglich rund zwölf Prozent der geplanten Klimawahn-Investitionen dem öffentlichen Bereich zu. Das entspricht durchschnittlich 33 Milliarden Euro jährlich. Doch diese Aufteilung richtet sich nach den Eigentumsverhältnissen und umfasst auch öffentliche Unternehmen. Auf Seite 58 erklären die Autoren ausdrücklich: „Nicht betrachtet wird die Finanzierung der Investitionen.“ Staatliche Förderprogramme und mögliche Subventionen (also die Steuergeldverschwendung, die noch zu den öffentlichen Ausgaben dafür hinzukommen) für private Unternehmen bleiben bei der Ermittlung des öffentlichen Anteils unberücksichtigt.

Auf den Seiten 59 und 60 folgt dann eine bemerkenswerte Feststellung. Weil solche staatlichen Unterstützungsleistungen in der Berechnung fehlen, beträgt der öffentliche Investitionsanteil im Industriesektor null Prozent. Gleichzeitig räumt Prognos ein, dass die Dekarbonisierung emissionsintensiver Branchen wie der Stahlindustrie größere staatliche Unterstützungsleistungen – ergo Steuergeld – benötigen dürfte, damit Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Deutschland erhalten bleiben. Mit anderen Worten: Die Studie weist für die Industrie einen öffentlichen Investitionsanteil von null aus, obwohl ihre Autoren erhebliche staatliche Hilfen für wirtschaftlich notwendig halten. Wie teuer diese zusätzlichen Fördermaßnahmen werden könnten, bleibt offen.

Unternehmen sollen ihre Anlagen für die Klimaziele umrüsten. Rechnet sich das angesichts hoher Energiepreise und internationaler Konkurrenz nicht, muss der Staat mit Fördergeldern nachhelfen. Dieses Geld kommt aus öffentlichen Haushalten und steht damit für andere Aufgaben nicht mehr zur Verfügung. Je mehr Unternehmen auf Unterstützung angewiesen sind, desto größer wird der Finanzierungsbedarf. Ohne dauerhaft konkurrenzfähige Energiepreise droht der industrielle Umbau zu einem Subventionsgeschäft zu werden, das den Steuerzahlern über Jahrzehnte hinweg teuer zu stehen kommt. Schon im September 2025 hatte die DIHK vor den finanziellen Folgen der deutschen Energiewendepolitik gewarnt. Eine Untersuchung von Frontier Economics bezifferte die Kosten des Energiesystems zwischen 2025 und 2049 auf 4,8 bis 5,4 Billionen Euro. Darin enthalten sind Investitionen in Erzeugungsanlagen und Stromnetze ebenso wie laufende Betriebs- und Energieimportkosten. Die damalige Berechnung umfasst andere Kostenbereiche als die neue KfW-Studie.

Schönrechnen für die Propaganda

Die KfW versucht derweil, die sechs Billionen Euro kleiner erscheinen zu lassen. Schließlich müssten auch ohne Energiewende neue Autos, Heizungen und Maschinen angeschafft werden. Nach ihren Berechnungen wären deshalb „nur“ 65 Milliarden Euro jährlich zusätzlich aufzubringen. Als Belohnung winken angeblich geringere Energieimporte, Einsparungen durch effizientere Technologien und neue Absatzmärkte. Doch was nützen solche Versprechungen einer Industrie, die schon heute unter hohen Energiepreisen leidet und Investitionen ins Ausland verlagert? Ob sich der milliardenschwere Umbau wirtschaftlich überhaupt lohnt, beantwortet die Studie nicht. Die Folgen für Wachstum und Arbeitsplätze sowie die gesamten laufenden Kosten des künftigen Energiesystems bleiben außerhalb ihrer Berechnungen. Die Politik setzt milliardenschwere Klimaziele, Unternehmen und Bürger sollen dafür zahlen. Ob sich das Ganze am Ende rechnet, steht auf einem anderen Blatt.

Eines zeichnet sich jedenfalls jetzt schon ab: Die Politik und die sich ebenfalls im Klimawahn befindlichen Studienersteller leben in grün-sozialistischen Traumwelten. Man müsse nur entsprechende politische Vorgaben machen, der Rest werde sich dann schon fügen. Nur hält sich die wirtschaftliche Realität nicht an irgendwelche abstrakten Vorgaben aus den Elfenbeintürmen des Energiewende-Fanclubs. Unternehmen müssen ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern. Für ideologisch motivierte Experimente ist da kein Platz. Und wenn die Deutschen und die Europäer unbedingt das produzierende Gewerbe und die Industrie abmurksen wollen – es gibt genügend andere Länder auf dieser Welt, die bessere Bedingungen bieten.

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