Verwechslung: Polizei erschießt 20 Zentimeter großen Chihuahua

Symbolbild: KI

Forderungen nach einem härteren Durchgreifen der Polizei gegen die täglichen Gewalteskalationen auf den Straßen sind allgegenwärtig. Dieses vermeintliche „Durchgreifen“ wirft jedoch Fragen auf: In Ludwigshafen nahmen Polizeibeamte einen 36-Jährigen ins Visier, den sie für einen flüchtigen Verbrecher hielten. Bei der Kontrolle erschossen sie seinen Hund, weil der sich auf die Beamten zubewegt haben soll. Allein: Es handelte sich um einen 20 Zentimeter großen Chihuahua.

Am Samstagabend soll ein Mann einen Mitarbeiter der Gaststätte „Il Giardino“ in Ludwigshafen, Stadtteil Gartenstadt, mit einer Schusswaffe bedroht haben. Der Mann flüchtete, einen Hund im Schlepptau.

Die Polizei fahndete nach ihm und machte rund 20 Minuten später einen 36-jährigen Hundehalter auf einem Parkplatz in der Nähe ausfindig. Beamte kontrollierten ihn unter Vorhalt ihrer Dienstwaffen. In einer ersten Polizeimeldung schrieb man Berichten zufolge von einem „stark alkoholisierten Tatverdächtigen“ und einem „nicht angeleinten Hund, der sich auf die Einsatzkräfte zubewegte“. Klingt bedrohlich, wird aber laut „Bild“ von Zeugen verneint: Weder soll der Besitzer demnach alkoholisiert gewesen sein noch war der Hund demnach unangeleint. Mehr noch: Das Tier war ein gerade einmal 20 Zentimeter großer Chihuahua („Lucky“).

Trotzdem kam es zur Schussabgabe. Das winzige Tier soll auf die Beamten zugegangen sein; einer von ihnen schoss daraufhin auf ihn. Sein Halter soll sich laut Augenzeugen erst gewehrt haben, als man auf seinen Hund zielte. Dem schluchzenden Halter („Sie haben meinen Hund erschossen!“) wurden Handschellen angelegt. Der Chihuahua starb kurz darauf beim Tierarzt an seinen Verletzungen.

Die Polizei stellte später klar: Der Hundehalter war nicht der gesuchte Tatverdächtige. Man bedauere den Tod des Tieres und wolle die genauen Umstände des Einsatzes aufarbeiten. Der Vorfall wird zudem von der Staatsanwaltschaft geprüft.

In der Bevölkerung sorgt der tödliche Schuss auf den Mini-Hund für Fassungslosigkeit – sogar eine Petition wurde ins Leben gerufen, mit der inzwischen tausende Menschen eine lückenlose Aufklärung dieses Falls fordern. Eine Tierschutzorganisation hat Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erstattet. Freunde von Luckys Halter sammeln Spenden für Anwaltskosten. Eine Nachbarin, die den Hund kannte, fragte laut „Bild“: „Wie kann man auf einen kleinen Chihuahua schießen? Der war der liebste Hund, den man sich vorstellen kann.“

Oft stehen deutsche Polizeibeamte in der Bevölkerung eher wegen Überforderung und Passivität gegenüber offenkundigen Gefährdern und Randalierern in der Kritik. Dass nun auf einen winzigen Hund geschossen wurde, wirkt fragwürdig. Ob die Ermittlungen zu dem Fall Informationen ans Licht bringen, die die Bürger beruhigen, wird sich zeigen…

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