Am 5. September 2026 stand in Trabzon in der Türkei der Sohn eines getöteten Hamas-Führers vor türkischen Religionsfunktionären und setzte die staatlichen, türkischen Imam-Hatip-Schulen mit den Moscheen Gazas gleich, die „Mudschahedin“ hervorbrächten – islamistische Kämpfer. Präsident Erdogan sandte ein Grußvideo. Die Türkei ist (noch) Mitglied der NATO.
An der Technischen Universität am Schwarzen Meer ging der 23. (!) Imam-Hatip-Kongress über die Bühne. Veranstalter war ÖNDER, der staatlich geförderte Verband der Absolventen jener religiösen Schulen, die Ankara seit Jahren zur Kaderschmiede ausbaut. ÖNDER unterhält ein Netz von rund 600 Vereinen in allen 81 Provinzen der Türkei. Nach Angaben des Bildungsministeriums besuchen mehr als 1,2 Millionen Schüler die Imam-Hatip-Mittel- und Oberschulen; das Alumni-Netz wird auf knapp zehn Millionen Menschen geschätzt.
Auf der Bühne stand Abdusselam Haniye, Sohn des im Sommer 2024 getöteten Chefs des Politbüros der Hamas, Ismail Haniye. Im Saal saßen Bildungsminister Yusuf Tekin, der Präsident der Religionsbehörde Diyanet, Safi Arpaguş, Rektoren, Abgeordnete und lokale Amtsträger. Kurz vor der Rede spielten die Veranstalter ein Video von Abu Obeida ein, dem maskierten Sprecher der islamischen Kassam-Brigaden, in dem Israel mit dem Tod gedroht wird. Aus dem Publikum kam der Ruf „Hamas’a selam, direnişe devam“, Gruß an die Hamas, weiter mit dem Widerstand. Der ÖNDER-Vorsitzende Abdullah Ceylan sprach davon, aus dieser Gesellschaft würden, so Gott will, auch die Eroberer Gazas hervorgehen.
Haniye selbst ließ an der Funktion der türkischen Schulen keinen Zweifel. „Was die Imam-Hatip in der Türkei ist, das leisten in Gaza und Palästina die Gebetsstätten und Moscheen“, sagte er nach dem Bericht lokaler Medien. Die Häuser, Kindergärten und Schulen (in Gaza) hätten „gläubige Jugend, Mudschahed-Jugend und gelehrte Jugend“ hervorgebracht, dazu politische, wirtschaftliche und technische Kader (für die Hamas). Ahmed Yasin, den Gründer der Hamas, und seinen eigenen Vater nannte er die Produkte eben dieser Medresen und Moscheen. „Unser Kampf ist eigentlich ein Bildungskampf“, sagte er. Wer sich einige, sei fähig, diese Welt zu regieren. Den Westen beschrieb er als Kraft, die diese Jugend Tag und Nacht zu vernichten suche. Er überbrachte Grüße an die türkische Führung und hob Erdogan namentlich hervor. Der Präsident antwortete mit einer Videobotschaft.
Schulen als Kaderschmieden für den Dschihad?
Ein NATO-Verbündeter feiert Schulen offen als die ideologische Infrastruktur des Dschihad. Die Türkei ist seit 1952 Mitglied der NATO. Unter Erdogan ist sie zum Unterstützer der islamischen Hamas geworden. Der Präsident hat wiederholt erklärt, er sehe die Hamas nicht als Terrororganisation, sondern als politische Bewegung. Türkische Behörden gewähren Kadern der Organisation Aufenthalt, eine Bühne und gesellschaftliche Anbindung. Die Imam-Hatip-Schulen sind das staatliche türkische Instrument, mit dem Ankara die Trennung von Religion und Staat, die einmal Wesenskern der türkischen Republik war, praktisch aufgehoben hat. Wer dort unterrichtet wird, soll nicht nur fromm beten. Er soll, in der Sprache des Redners aus Gaza, Teil einer Generation mit dem Ziel werden, als Kämpfer und „Märtyrer“ zu enden.
Die Türkei steuert einen erheblichen Teil des Islams in Europa. Diyanet, die Behörde für religiöse Angelegenheiten, untersteht direkt dem Präsidenten. Im Ausland wirkt sie über Religionsattachés, entsendet Geistliche und steuert islamische Dachverbände.
In Deutschland ist das die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, DITIB, mit Sitz in Köln. Sie betreibt nach eigenen und behördlichen Angaben rund 900 bis 1.000 Moscheen. Die Imam-Gehälter kamen über Jahrzehnte aus Ankara; noch 2026 waren nach Angaben von DITIB-Funktionären etwa 1.200 Geistliche türkischer Herkunft in Deutschland tätig. In Österreich läuft die Diyanet-Schiene über die ATIB. Deren Imame waren türkische Beamte und wurden von Ankara bezahlt. Das österreichische Islamgesetz von 2015 verbietet zwar die überwiegende Auslandsfinanzierung islamischer Einrichtungen, aber der Diyanet-Einfluss ist ungebrochen. Im Mai 2025 unterzeichnete Ümit Vural von der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) mit dem damaligen Diyanet-Chef Ali Erbas ein Kooperationsabkommen. Erdogans AKP arbeitet mit den Muslimbrüdern zusammen, welche weltweit die Machtübernahme des Islam betreiben. In den Niederlanden betreibt die Islamitische Stichting Nederland, der dortige Diyanet-Arm, weit über hundert Moscheen. In Belgien und Frankreich existieren vergleichbare Vereinsstrukturen.
Ein Staat, der den Sohn eines Hamas-Führers religiöse Schulen als jene Orte preisen lässt, an denen „Mudschahedin“ (islamistische Kämpfer) heranwachsen, der dafür den eigenen Bildungsminister entsendet und ein präsidiales Grußvideo schickt, arbeitet an der Machtergreifung einer politischen Religion, deren Herrschaftsanspruch nicht an der eigenen Grenze endet. Die religiöse Teilung der Welt in das Haus des Islam und das Haus des Krieges ist keine Erfindung westlicher „Islamophobiker“, sie ist ein Kerndogma des Islam. Ein solcher Staat hat in einem westlichen Verteidigungsbündnis nichts zu suchen, er ist ein Maulwurf des Islam. Die Zusammenarbeit hiesiger islamischer Vereine mit der Diyanet und ihren europäischen Ablegern dient kaum der freien und friedlichen Ausübung einer Religion, sondern offenkundig mehr der Umsetzung von aus dem islamischen Ausland gesetzten Zielen.
Eine solche Zusammenarbeit muss unter Strafe gestellt werden. Erdogan, die türkischen Religionsbehörden und die Muslimbrüder sind nicht die Freunde von Multikulti, Freiheit oder Demokratie. Sie arbeiten an einer Machtübernahme des Islam. Weltweit.
