Staat liest mit: Behörden hängen sich heimlich in WhatsApp, Telegram und Signal

(C) Report24/KI

Viele Menschen vertrauen der Verschlüsselung von Messenger-Apps wie WhatsApp, Telegram oder Signal. Doch die deutschen Ermittlungsbehörden haben längst schon einen Weg gefunden, wie sie heimlich mitlesen können. Umso wichtiger ist es, immer wieder selbst zu überprüfen, ob man Ziel einer solchen Überwachungsmaßnahme wurde.

Eigentlich gilt die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Apps wie WhatsApp, Signal oder Telegram als recht sicher. Behörden können sich normalerweise nicht einfach so hineinhacken und Daten abgreifen. Doch es gibt auch andere Möglichkeiten, neben Malware wie Staatstrojanern. Denn es genügt schon, einfach ein weiteres Gerät an die Apps dranzuhängen. Dazu reicht es schon aus, einmal kurz das behördeneigene Handy per QR-Code daran anzudocken, und schon kann man alle Nachrichten mitverfolgen. Beim Zoll wurde daraus sogar ein festes Ermittlungsinstrument. Nach einem Modellversuch seit Ende 2023 übernahm das Zollkriminalamt die Methode im August 2025 dauerhaft in den regulären Betrieb. Intern spricht die Behörde von „erheblichen Ermittlungserfolgen“. Die entsprechende Verfügung trägt den Vermerk „VS – Nur für den Dienstgebrauch“.

Wie dreist eine solche Aufschaltung aussehen kann, zeigte bereits ein BKA-Fall aus dem Jahr 2020. Ein Ehepaar gab Ermittlern seine Smartphones, damit diese Nachrichten der Tochter ansehen und fotografieren konnten. Während die Geräte bei der Polizei lagen, richteten Beamte heimlich WhatsApp Web auf einem BKA-Rechner ein und scannten die erforderlichen QR-Codes. Danach konnten neue Nachrichten von der Behörde mitgelesen werden. Die Telefone waren für einen begrenzten Zweck ausgehändigt worden. Die Ermittler nutzten die Gelegenheit, um sich einen dauerhaften Zugang zu den Konten zu verschaffen.

Bei Kriminellen schlecht, bei Behörden gut

Der Vorgang bekommt einen zusätzlichen Beigeschmack, weil staatliche Stellen Bürger selbst vor solchen Zugriffen warnen. Verfassungsschutz und BSI empfehlen Signal-Nutzern, die Accounts regelmäßig zu kontrollieren und unbekannte Zugänge sofort zu entfernen. Fremde Akteure könnten sich über legitime Funktionen des Messengers in Konten einklinken und anschließend Chats mitlesen. Die Bürger sollen solche fremden Geräte also sofort aus ihren Konten werfen, heißt es. Doch die Ermittler anderer Behörden nutzen diese Funktion selbst als Überwachungswerkzeug.

Bei Signal können beim Koppeln eines neuen Geräts Chats und Medien der vergangenen 45 Tage übertragen werden. Damit landet auf dem frisch verbundenen Gerät unter Umständen gleich ein ganzer Stapel älterer Chatnachrichten. Ein richterlicher Beschluss läuft ab heute – der Messenger liefert trotzdem alle Daten der letzten Wochen gleich mit.

Der Bundesgerichtshof musste dieser Praxis bereits Grenzen setzen. Ermittler hatten sich in einem Verfahren heimlich auf ein Telegram-Konto aufgeschaltet und dabei auch monatealte Chats eingesammelt. Der 3. Strafsenat stellte im Januar 2026 klar, dass eine solche Aufschaltung als Quellen-Telekommunikationsüberwachung nach § 100a StPO gilt. Erfasst werden darf grundsätzlich nur Kommunikation ab dem Zeitpunkt der richterlichen Anordnung. Die älteren, rechtswidrig erhobenen Inhalte durften im konkreten Verfahren nicht verwertet werden. Gleichzeitig verwarf der Senat eine frühere, großzügigere Rechtsauffassung zur Nutzung zusätzlicher WhatsApp-Zugänge.

Wie oft solche Zugänge eingerichtet werden, erfahren weder Öffentlichkeit noch Parlament vollständig. Zoll und BKA verweigern entsprechende Angaben. Auch auf parlamentarische Nachfragen zu Einsätzen bei BKA, Zoll und Bundespolizei lieferte das Innenministerium keine Zahlen. Staatssekretärin Daniela Ludwig erklärte, Angaben über die eingesetzten informationstechnischen Überwachungsmaßnahmen seien „besonders geheimhaltungsbedürftig“ und berührten „in besonders hohem Maße das Staatswohl“. Doch was ist mit dem Gemeinwohl und dem Post- und Telekommunikationsgeheimnis?

Wenn Sie mit dafür sorgen möchten, dass unser unabhängiger Journalismus weiterhin eine Gegenstimme zu regierungstreuen und staatlich geförderten Medien bildet, unterstützen Sie uns bitte mit einer Spende!

Informationen abseits des Mainstreams werden online mehr denn je bekämpft. Um schnell und zensursicher informiert zu bleiben, folgen Sie uns auf Telegram oder abonnieren Sie unseren Newsletter! Wenn Sie mit dafür sorgen möchten, dass unser unabhängiger Journalismus weiterhin eine Gegenstimme zu regierungstreuen und staatlich geförderten Medien bildet, freuen wir uns außerdem sehr über Ihre Unterstützung.

Unterstützen Sie Report24 via Paypal: