Ideologie der Muslimbruderschaft: Warum der radikale Islam ein Todeskult ist

Symbolbild: freepik / user11849519

Das Netzwerk der Muslimbrüder ist die Hauptkraft der Islamisierung Europas. Ihr Gründer Hasan al-Banna gab mit seinem Buch „Die Todesindustrie“ die Linie vor. Wer es kennt, versteht, warum mit seinen Anhängern keine friedliche Koexistenz möglich ist.

Von Eric Angerer

Der Arabischlehrer Hasan al-Bannā gründete die Muslimbruderschaft im März 1928 in Ismailia am Suezkanal zusammen mit sechs anderen Männern. Sie wandten sich gegen die Vorherrschaft der Briten in Ägypten und wollten für die Stärkung des Islams und der islamischen Umma (= Weltgemeinschaft) eintreten. Man leistete einen Treueeid auf Gott und schwor, als Brüder leben und sich ganz in den Dienst des Islam stellen zu wollen.

Entwicklung der Muslimbruderschaft

Ziel der neuen Gemeinschaft war die Verbreitung islamischer Moralvorstellungen und die Unterstützung wohltätiger Aktionen, aber auch die Befreiung des Landes von der fremden Okkupation sowie der Kampf gegen die britisch-westliche „Dekadenz“. Der Westen wolle die islamische Tradition in der arabischen Welt zerstören, sei aber dekadent, weshalb der Islam bald eine Führungsrolle übernehmen werde.

In den 1930er Jahren wurde die Bruderschaft immer politischer, man forderte eine Rückkehr zum ursprünglichen Islam und die Errichtung einer islamischen Ordnung ein. Anerkannt werden dürften nur Herrscher, die in Übereinstimmung mit der Scharia regierten. Al-Banna trat nun auch für den bewaffneten Dschihad gegen Nicht-Muslime und deren Helfer ein. 1938 führte die „Bruderschaft“ unter Parolen wie „Nieder mit den Juden“ und „Juden raus aus Ägypten“ gewalttätige Proteste gegen Juden durch.

Al-Banna war von Anfang an ein Bewunderer von Benito Mussolini und Adolf Hitler. Aufgebaut wurde die Bruderschaft nach dem Vorbild der italienischen Faschisten, kooperiert haben sie mit der von Alfred Heß geführten NSDAP-Auslandssektion in Ägypten. Finanziert wurde die Bruderschaft ab 1938 von der NS-Regierung in Berlin, in der Folge konnte sie ihre Propaganda massiv ausweiten (siehe: Brynjar Lia: The Society of the Muslim Brother in Egypt – The Rise of an Islamic Mass Movement 1928–1942, Reading, 1998).

Mit den deutschen Geldern wuchs die Bruderschaft nun rascher und breitete sich auch in Nachbarländern aus. Hatte sie Ende der 1930er Jahre noch wenige hundert Mitglieder, so waren es 1941 schon etwa 60.000 und 1948 dann 500.000 Mitglieder und hunderttausende Sympathisanten. Sie war streng hierarchisch organisiert, hatte eigene Moscheen, Firmen, Fabriken, Krankenhäuser und Schulen und besetzte wichtige Posten in Armee und Gewerkschaften. Sie legte viel Wert auf Bildung und Ausbildung im Sinne ihrer islamischen Gesellschaftsvision. 

Seit damals ist sie ein wichtiger Faktor in der ägyptischen Gesellschaft. Und seit den 1950er Jahren breitete sich die Bruderschaft international aus. Sie übernahm das Emirat Katar politisch und baute Sektionen in diversen islamischen Ländern auf, später auch in den westeuropäischen Staaten. Mit der regierenden türkischen AKP besteht eine enge Kooperation. 

„Die Todesindustrie“

Die politische Leitlinie des globalen Machtfaktors Muslimbruderschaft legte al-Banna selbst. Bereits 1938 erschien sein Aufsatz „Die Todesindustrie“, in welchem die Abwendung vom Leben und die Verherrlichung des Märtyrertums ausgeführt werden:

„Derjenigen Nation, welche die Industrie des Todes perfektioniert und die weiß, wie man edel stirbt, gibt Gott ein stolzes Leben auf dieser Welt und ewige Gunst in dem Leben, das noch kommt. Die Illusion, die uns gedemütigt hatte, besteht in nichts anderem als der Liebe zum weltzugewandten Leben und dem Hass auf den Tod.“ (siehe: Dunja Larise und Thomas Schmidinger: Zwischen Gottesstaat und Islam – Handbuch des politischen Islam. Wien 2008) 

Al-Banna formulierte in diesem Text sein Verständnis des Djihad, wobei das Sterben für den Glauben als höchstes Ziel und „Industrie“ – also als angestrebte Produktion von Märtyrertum – dargestellt wird.

Und Al-Banna formulierte auch die prägnanten Grundsätze der Muslimbrüder: „Gott ist unser Ziel. Der Prophet ist unser Führer. Der Koran ist unsere Verfassung. Der Dschihad ist unser Weg. Der Tod für Gott ist unser nobelster Wunsch.“ (siehe: Muhammad Murtaza: Die ägyptische Muslimbruderschaft – Geschichte und Ideologie. Berlin 2011)

Diese Leitsätze verwenden die Muslimbrüder bis zum heutigen Tag als Motto. Der Unterwerfung der Mitglieder der Muslimbruderschaft unter diese Ziele entspricht, dass sie sich in absolutem Gehorsam der Führung der Bruderschaft unterwerfen.

Politische Wirkung

Al-Banna ist bis heute Vorbild für die Muslimbrüder weltweit, in ihrem Netzwerk in mehr als 70 Ländern. Wenn sie in Ägypten oder auch Westeuropa immer wieder „gewaltfrei“ auftreten, ist das wohl taktischen Überlegungen angesichts aktueller Kräfteverhältnisse geschuldet. Ihre „palästinensische“ Teilorganisation war stets militant ausgerichtet. Und auch Al-Kaida wurde maßgeblich von früheren Muslimbrüdern mitaufgebaut.

Vor allem hat al-Banna seine Ausführungen zum Märtyrertum für den Islam nicht frei erfunden, sondern stützt sich zu Recht auf den Religionsgründer und Kriegsherren Mohammed. Laut ihm wird der Tod für den islamischen Glauben in einem Paradies auf die höchstmögliche Weise belohnt, unter anderem mit den „Huris“ (schönen reinen Mädchen). Das findet sich im Koran in den Suren 44, 55 und 56. Die Zahl der 72 Jungfrauen wird nicht im Koran selbst genannt, sondern in „Hadithen“ (z. B. bei At-Tirmidhi oder Ibn Hibban).

Und die Ideologen der schiitischen Dschihadisten stützen sich auf dieselben Grundlagen bei Mohammed und kommen zu ähnlichen Konsequenzen wie al-Banna. Das zeigt etwa die folgende Aussage von Ruholla Khomeini, dem Gründer und der großen Leitfigur der „Islamischen Republik Iran“:

„Den Ungläubigen das Leben zu lassen bedeutet Nachsicht gegenüber ihrem verderblichen Tun. Sie zu töten ist wie das Herausschneiden eines Geschwürs, wie es Allah der Allmächtige befiehlt. Jene, die dem Koran folgen, wissen, dass wir die Quissas (Strafgesetze) anwenden und töten müssen. Die Kriege, die unser Prophet, Friede seiner Seele, gegen die Ungläubigen führte, waren ein Geschenk Gottes an die Menschheit. Wir müssen auf der ganzen Welt Krieg führen, bis alle Verderbnis, aller Ungehorsam gegenüber dem islamischen Gesetz aufhören.“

Friedliche Koexistenz unmöglich

Die Vorstellung eines friedlich-gedeihliches Nebeneinanders des europäischen Kulturraumes mit dem radikal islamischen, wenn sich nur beide Seiten ethnopluralistisch in ihren Gebieten in Ruhe lassen, ist naiv und unhaltbar. Der Islam ist eben nur in geringem Maße eine Religion im engeren Sinne und vor allem eine politische Herrschaftsideologie.

Bereits in den islamischen Grundlagentexten ist die fundamentale Unterscheidung in muslimische Herrenmenschen und minderwertige „Ungläubige“ ebenso festgeschrieben wie der Auftrag, die gesamte Welt für Allah zu erobern (siehe auch den neurechten Grundlagentext „Das Dschihad-System: Wie der Islam funktioniert“ von Manfred Kleine-Hartlage).

Mit politischen Kräften und einem Kulturraum, die so denken, ist eine friedliche Koexistenz auf ethnopluralistischer Grundlage nicht möglich. Mit manchen Kulturräumen, die nicht aggressiv expansiv sind, mag das gelingen, mit dem Islam in der hier geschilderten (und Studien zufolge weit verbreiteten) Interpretation definitiv nicht. Hinduisten und Buddhisten sind sich darüber, aufgrund ihrer Erfahrung mit dem Islam, sehr klar.

Wer eine friedliche Koexistenz Europas mit diesem islamischen, expansiven und totalitären Herrschaftssystem als reale Perspektive nahelegt, ist in seiner Naivität nicht weit entfernt von den links-grünen Multikulturalisten. Wer den Krieg der Dschihadisten gegen Israel oder auch die islamfaschistische Diktatur der iranischen Mullahs auch nur irgendwie in die Nähe eines Freiheitskampfes rückt, der ist beim Kulturrelativismus angelangt und betreibt das Geschäft der Feinde der europäischen Völker.

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