Der nächste Windradskandal erschüttert Niederösterreich. Es scheint, als ob es die Windindustrie eilig hat, so schnell wie möglich noch Pachtverträge abzuschließen und die Gemeinden mit viel Geld zu bestechen, ihre gesunden Felder zu opfern und das Land zu einem Windradland zu verschandeln. Tourismus wurscht, Aussicht wurscht, Lebensqualität egal, Tiere sowieso. Der 15. März ist wichtig! Ein „Nein“ bei der Bürgerbefragung ist politisch bindend für den Gemeinderat. Wenn das Volk Nein sagt, stirbt das ganze Projekt.
Von Angelika Starkl
Bürgerinformation
am Do., 26. Februar
um 18 Uhr beim Grasl-Wirt in Mörtersdorf
In der idyllischen Gemeinde Burgschleinitz-Kuenring regt sich Widerstand. Während der Energiekonzern Verbund von „grüner Zukunft“ spricht, sehen viele Anwohner in den geplanten Drei-Windrad-Riesen vor allem eines: eine Bedrohung für ihre Lebensqualität und das historische Erbe der Region. Genau in der Mitte von vier Dörfern sollen die Riesen errichtet werden. Auf einem Plateau, weithin sichtbar und als Landmarke. Es ist ein ungleicher Kampf, der am 15. März in der Wahlzelle ausgefochten wird. Im Zentrum der Kritik stehen drei „Monsterwindräder“, die mit einer Gesamthöhe von fast 300 Metern alles bisher Bestehende in der Region überragen. Zum Vergleich: Das ist fast die doppelte Höhe des Stephansdoms. Kritiker warnen davor, dass diese Industrieanlagen die sanfte Hügellandschaft des Waldviertels unwiederbringlich zerstören.
Nähe zum historischen Schloss Harmannsdorf von Bertha von Suttner
Wo einst die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner „Die Waffen nieder“ schrieb, könnten bald rotierende Stahlgiganten das Panorama beherrschen, wenn sich das Volk nicht wehrt. Die Stille der Landschaft war für Suttner eine Grundvoraussetzung für ihre Arbeit.
Ein „Friedensschloss“ inmitten einer Industrieanlage mit rotierenden Spießen verliert seine spirituelle und touristische Anziehungskraft. Bei Erdarbeiten für Windrad-Fundamente in dieser Gegend stößt man fast unweigerlich auf archäologische Funde. Kritiker fordern hier oft vorab umfassende Grabungen. Die Gegend ist weit mehr als nur „Ackerland“, sie ist ein Kultur- und Naturraum mit Tiefenwirkung, der durch die geplante Dimension der Windräder seinen Charakter vollständig verliert. Für Denkmalschützer und Ästheten ist dies ein Sakrileg an einem Kulturgut von europäischem Rang. Die „optische Bedrängung“, wie es Experten nennen, würde die Dörfer durch die brutale Dominanz der Windriesen in unmittelbarer Nähe zu Schattendörfern der Windindustrie degradieren.
Unehrliche Informationen, falsche Bilder
Das Gemeindegebiet liegt im Übergang vom Horner Becken zum Manhartsberg. Die Spießrotoren sollen auf den Hochflächen zwischen den Orten Burgschleinitz, Kuenring und Zogelsdorf errichtet werden. Man will erst die Bürger befragen, doch werden sie informiert? Wie werden sie informiert? Der Verbund propagierte jüngst auf Infoständen, wo man von 16 bis 20 Uhr im Vieraugengespräch Fragen stellen konnte. Es gab keine Versammlung, keine öffentliche Diskussion mit Rede und Gegenrede. Die Fotomontage der Monster entsprach nicht den Proportionen in der Realität. Eine Farce!
Das Märchen vom sauberen Strom
Auch die ökologische Bilanz muss heute hinterfragt werden. Hunderte Tonnen an Stahl und Beton im Boden, die Versiegelung wertvoller Ackerflächen und die Gefahr für seltene Vogelarten und alle Insekten wiegen schwer. Am Ende bleibt für die Kritiker das Gefühl, dass die Gemeinde für eine vergleichsweise geringe „Entschädigung“ ihre Identität und Lebensqualität an Großkonzerne verkauft.
Am 15. März haben die Bürger das letzte Wort. Es ist eine Abstimmung darüber, ob das Waldviertel ein Ort der Erholung bleibt, oder durch Windmaschinen zerstört wird.
- Geländehöhe: Das Plateau dort liegt auf 400 Metern Seehöhe.
- Gesamthöhe: Rechnet man die Standhöhe und die Anlagenhöhe zusammen, ragt die Rotor-Blattspitze bis auf etwa 700 Meter über den Meeresspiegel empor. Damit befinden sich die Spitzen prägnant über dem Niveau des Manhartsberg-Kamms.
Da die Windräder auf einem Plateau stehen, werden sie zu einer dominanten Landmarke für das gesamte Horner Becken, das Kamptal und die angrenzenden Teile des Weinviertels. An klaren Tagen könnten die blinkenden Spitzen sogar von den Voralpen (Ötscher-Region) aus in über 100 km Entfernung gesehen werden. Innerhalb eines Radius von 15 bis 20 Kilometern, etwa bis Horn, Eggenburg oder Gars am Kamp, werden die Anlagen das Landschaftsbild maßgeblich prägen und als bizarre Konstrukte am Horizont ständig präsent sein. Die Türme müssen laut Luftverkehrsregelungen mit auffälligen Signal-Farben, meist Orange oder Rot, an den Rotorblättern markiert sein, damit sie für Piloten auch bei Nebel oder Dämmerung sichtbar sind. Diese optischen Irritationen stören natürlich immer.
Besonders betroffene Gebiete:
- Reinprechtspölla & Harmannsdorf: Durch die Nähe zum Schloss Harmannsdorf und die exponierte Lage auf dem Weg nach Reinprechtspölla sind diese Orte am stärksten mit den Anlagen konfrontiert.
- Kuenring: Die Bewohner blicken direkt auf die Anhöhen, auf denen die Spieß-Rotoren „thronen“ würden.
- Burgschleinitz: Da das Dorf tiefer liegt, ragen die Spitzen der Anlagen deutlich über die Horizontlinie der umgebenden Hügel hinaus.
Gesundheit und Immobilienwerte
Bei Weitem geht es nicht nur um die Aussicht. Die Anrainer sorgen sich um vielfältige Nachteile:
Infraschall: Trotz offizieller Beschwichtigungen klagen Bewohner existierender Windindustriezonen über Schlafstörungen und Druckgefühle durch die nicht hörbaren Tieftonschallwellen.
Abstandsregeln: Die gesetzlichen 1.200 Meter Abstand sind vollkommen realitätsfremd bei Anlagen dieser Dimension. Wenn diese Distanz bei den kleinen Türmen die Anwohner vor allzu großem Schaden schützen sollte, müssen es hier mindestens 2,5 bis 3 Kilometer Abstand zu den Wohnhäusern sein.
Finanzieller Verlust: Für viele Hausbesitzer ist die Angst vor dem Wertverlust ihrer Immobilien real. Wer möchte ein Einfamilienhaus im Schatten eines 300-Meter-Turms kaufen?
Schlagopfer unter den Vögeln
Das Waldviertel und das Horner Becken sind wichtige Reviere für geschützte Greifvögel. Rotmilan & Seeadler: Diese Tiere nutzen Thermik zum Segeln und blicken bei der Jagd nach unten auf den Boden. Sie nehmen die rotierenden Blätter nicht als Gefahr wahr und werden buchstäblich in der Luft zerfetzt.
Schwarzstorch: In den umliegenden Wäldern des Manhartsbergs lebt auch der scheue Schwarzstorch. 300 km/h schnell schneidende Rotorenspitzen in ihren Flugrouten zwischen Nest und Futterplatz sind für sie tödlich.
Insektensterben: Unsere Singvögel haben schon sehr große Probleme, Nahrung zu finden. Sie sind auf Insekten angewiesen. Die Vernichtung der Insektenbestände geht in die Milliarden.
Auswirkungen auf das Niederwild (Rehe, Hasen, Fasane): Das Wild gewöhnt sich nie an die erheblichen Störungen, die es im Revier nicht nur während der Bauphase gibt, sondern den gesamten Betrieb begleiten. Es wandert ab.
Scheuchwirkung: Der rhythmische Schattenwurf (Schlagschatten) und die permanenten Vibrationen (Infraschall) können das Wild aus angestammten Einständen vertreiben. Jäger befürchten eine massive Veränderung der Wildwanderungen in der Region.
Lebensraumverlust: Durch Fundamente und Zufahrtswege werden wertvolle Acker- und Waldflächen versiegelt oder zerschnitten.
Dass die offiziellen Schlagopfer-Zahlen zu niedrig sind, da Füchse und Marder die verendeten Tiere unter den Windrädern meist innerhalb weniger Stunden wegfressen, bevor sie gezählt werden können, ist logisch. Der Naturschutzbund Niederösterreich mahnt regelmäßig zur Vorsicht, da das Waldviertel eine der letzten Rückzugszonen für viele Tierarten ist.
Die Bürgerinitiative wird durch Anwälte prüfen lassen, inwieweit die Gemeinden haften – bei etwaigen Gesundheitsschäden und betreffend der Entschädigungsforderungen durch die Umwidmungen.
Was hätte Bertha von Suttner geschrieben, wenn man ihr drei Windradriesen mit 300 Metern Höhe vor ihrem Schloss in Harmannsdorf aufgepflanzt hätte? „Die Windräder nieder!“
