Zur Bekämpfung von Adipositas werden mittlerweile zunehmend sogenannte GLP-1-Medikamente eingesetzt. Sie werden den Menschen als “sicher und effektiv” verkauft. Doch sind sie das wirklich? Eine neue Übersichtsarbeit wirft ernsthafte Fragen auf.
Mittlerweile gelten in Deutschland etwa 18 Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen als adipös. In Österreich sind es im Schnitt etwa 17 Prozent der erwachsenen Bevölkerung, in der Schweiz etwa 12 Prozent aller Menschen ab 15 Jahren. Generell als übergewichtig gelten demnach mehr als die Hälfte der Deutschen, sowie rund ein Drittel der Österreicher und Schweizer. Das sind im wahrsten Sinne des Wortes gewichtige Zahlen.
Damit einher gehen jedoch auch erhebliche gesundheitliche Risiken – von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zu Diabetes. Nicht selten gehen damit auch psychische Probleme wie ein mangelndes Selbstwertgefühl einher. Kein Wunder also, dass immer mehr Menschen lieber zu Abnehm-Medikamenten greifen, die eine rasche Gewichtsreduktion versprechen, als den anstrengenden Weg über eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung zu nehmen.
Doch diese sogenannten GLP-1-Medikamente, die als Durchbrüche in der Behandlung von Adipositas gefeiert werden, kommen laut einer neueren Untersuchung mit einigen erheblichen potenziellen Komplikationen einher. Die jüngst veröffentlichte Übersichtsarbeit bringt diese Medikamente mit Mangelernährung, Vitaminmängeln und in extremen Fällen mit Erkrankungen wie Skorbut und mit irreversiblen Hirnschäden in Verbindung.
Die von schwedischen und australischen Forschern unter dem Titel “A Systematic Review Identifying Critical Evidence Gaps in Reporting Dietary Change in Randomized Controlled Trials Prescribing Liraglutide, Semaglutide, or Tirzepatide” im Fachjournal Obesity Reviews veröffentlichte Arbeit wirft dabei ernsthafte Fragen in Sachen gesundheitliche Sicherheit für die Patienten auf.
GLP‑1‑Medikamente, darunter Saxenda, Wegovy, Mounjaro und Ozempic, können beim Abnehmen helfen. Studien bringen sie jedoch auch mit schwerwiegenden Nebenwirkungen in Zusammenhang. Zu den Nebenwirkungen zählen Magen‑Darm‑Probleme, akute Pankreatitis, höhere Raten von Gallenblasen‑ und Gallenwegserkrankungen, Nierensteine, Arthritis, Schlafstörungen, Karies, Haarausfall sowie ein Verlust an Knochendichte und Muskelmasse. Die Medikamente könnten außerdem mit Krebs in Verbindung stehen.
Die neue Übersichtsarbeit zu Mangelernährung und GLP‑1‑Medikamenten knüpft an einen Meinungsbeitrag aus dem Juli in The BMJ von der britischen Hausärztin Dr. Ellen Fallows an. Sie stellte fest, dass die meisten Studien zu diesen Medikamenten mögliche Zusammenhänge mit schweren ernährungsbezogenen Komplikationen nicht untersuchen.
Bekannte Komplikationen umfassen einen schweren Thiamin-(Vitamin‑B1‑)Mangel, der eine Wernicke-Enzephalopathie auslösen und zu irreversibler Demenz führen kann. Es gab außerdem Fälle von metabolischer Azidose, die mit extremer Appetitunterdrückung und kritisch niedrigen Magnesiumwerten in Verbindung gebracht wurden. Einfach nur auf Abnehm-Medikamente und eine Reduktion der Kalorienzufuhr zu setzen, könnte schlussendlich zu größeren gesundheitlichen Problemen als durch das Übergewicht selbst führen. Die Übersichtsarbeit untersuchte 41 randomisierte kontrollierte Studien zu diesen Medikamenten, die in den letzten 17 Jahren durchgeführt wurden. Insgesamt nahmen über 50.000 Personen teil.
Nur zwei Studien erfassten Veränderungen der Ernährungsaufnahme als Ergebnis, und eine dieser Studien war unveröffentlicht. Beide fanden, dass Personen unter den Medikamenten ihre gesamte Energieaufnahme reduzierten. Außerdem veränderten die Medikamente die Verteilung von Fett, Protein und Kohlenhydraten in der aufgenommenen Nahrung. Die Qualität der beiden Studien bewerteten die Autorinnen und Autoren als “schlecht” bzw. “akzeptabel”. “Diese Ergebnisse verdeutlichen eine kritische Lücke in der Literatur”, schlussfolgerten sie.
Denn ein Problem dabei ist die Qualität der Nahrung. Weniger zu essen allein ist nicht der Schlüssel zum Erfolg – vielmehr muss dies (auch mit den Medikamenten) mit einer ausgewogenen und gesunden Ernährung einhergehen. Viele Menschen mit Adipositas sind bereits auf günstige, energiedichte, aber nährstoffarme Lebensmittel angewiesen. Starke Medikamente können den Appetit erheblich senken. Dadurch kann zwar die Gesamtkalorienzufuhr sinken, aber auch die Aufnahme essenzieller Vitamine, Mineralstoffe und Proteine in den Keller rauschen.
Schlussendlich führen solche Medikamente zwar zu einer Gewichtsreduktion, unter anderem auch durch eine Zügelung des Appetits – doch ohne eine gleichzeitige Anpassung der Ernährungsgewohnheiten drohen ernsthafte gesundheitliche Schäden.
