Vom Verbündeten zum Opfer: Das traurige Schicksal der syrischen Kurden

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Das aus der Al-Qaida hervorgegangene Regime von Ahmed al-Sharaa, besser bekannt als Abu Mohammad al-Dscholani, führt in Syrien eine systematische Kampagne gegen Kurden, Christen und Jesiden durch. Und der Westen? Der schaut geflissentlich weg.

Seit dem 6. Januar wurden Berichten zufolge rund 150.000 Menschen aus ihren Häusern gejagt. Kurden, Christen und Jesiden fliehen vor Milizen, die direkt Dscholani unterstehen. Es ist bereits die dritte ethnische Säuberungskampagne seit der Machtübernahme der Hay’at Tahrir al-Sham (HTS) im Dezember 2024. Zuvor traf es Alawiten und Drusen, Tausende wurden ermordet oder verschleppt.

Die Angriffe begannen in den kurdischen Stadtteilen Sheikh Maqsoud und Ashrafieh in Aleppo. Videos zeigen entführte Frauen, misshandelte Männer, Hinrichtungen. Eine kurdische Frau wird von Dschihadisten von einem Gebäude gestoßen, andere werden als “Geschenke” an Mudschahedin bezeichnet. Bei aller notwendigen Kritik am Assad-Regime – doch solche Bilder gab es unter seiner Herrschaft (vor dem Krieg) nicht. Denn unter dessen Führung genossen die ethnischen Minderheiten Schutz.

Besonders zynisch ist die Rolle des Westens. Die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), über ein Jahrzehnt der wichtigste Verbündete der USA im Kampf gegen die islamistischen Milizen, wurden zur Kapitulation gezwungen. Am 18. Januar 2026 unterzeichneten SDF und Dscholani-Regime ein sogenanntes Waffenstillstands- und Integrationsabkommen – de facto ein Diktat. Die Kurden mussten Raqqa und Deir ez-Zor räumen und sich nach Hasakah zurückziehen. Ausgerechnet Raqqa, die ehemalige Hauptstadt des IS, fällt damit unter die Kontrolle eines Mannes, der selbst aus der Al-Qaida hervorgegangen ist.

Raqqa ist kein nebensächlicher Ort, sondern ein sicherheitspolitischer Sprengsatz mit überregionaler Tragweite. Dort befinden sich Gefängnisse mit tausenden IS-Terroristen. Bereits jetzt kursieren Videos, die zeigen, wie Julanis Kräfte Gefangene freilassen. Experten warnen vor einem globalen Sicherheitsrisiko. Und die Amerikaner und die Europäer? Die schauen geflissentlich weg.

Die historische Ironie ist bitter. Es waren die Kurden, die Raqqa 2017 unter hohen Verlusten vom IS befreiten. Sie verteidigten Kobani, zerschlugen die Kalifatstrukturen in Tel Abyad, Afrin und Baghouz. Ohne sie hätte der Westen den IS nicht besiegt. Heute werden sie geopfert, weil sie geopolitisch unbequem sind und Ankara einen Blankoscheck für seine regionalen Ambitionen erhalten hat.

Auch die Jesiden geraten erneut zwischen die Fronten. Rund 800 Familien wurden gezwungen, nach Afrin zurückzukehren – eine Region, die weiterhin von denselben extremistischen Milizen kontrolliert wird, die sie einst vertrieben haben. Der Kontakt zu ihnen ist Berichten zufolge abgebrochen. Niemand weiß, was mit ihnen geschehen ist.

Dscholani selbst gibt sich international als moderater Staatsmann. Tatsächlich ist er der ehemalige Chef der Nusra-Front, ein Mann mit Al-Qaida-Vergangenheit, auf den bis vor Kurzem ein Kopfgeld ausgesetzt war. Dass die Biden-Administration dieses Kopfgeld im Dezember 2024 strich, war ein politisches Signal – und ein fataler Fehler. Dscholani testet derzeit, wie weit er gehen kann, ohne internationale Konsequenzen zu fürchten. Die Antwort des Westens fällt bislang erschreckend eindeutig aus: gar nicht.

Hier stellt sich die Frage, wie der Wertewesten angesichts dieser Entwicklungen überhaupt glaubwürdig sein kann. Man lässt die langjährigen Verbündeten – die Kurden – einfach so hängen, nur weil es gerade geopolitisch opportun zu sein scheint, sich dem Islamisten-Pack in Damaskus anzubiedern. Welche Lehren werden andere Gruppen und Milizen daraus ziehen, die bislang auf westliche Unterstützung für ihren Kampf hoffen?

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