In der aktuellen Stunde im Parlament vom Mittwoch, dem 21. Jänner, versuchte ÖVP-Klubobmann August Wöginger – weithin bekannt durch seine gescheiterte Diversion in einem Korruptionsfall – die aktuellen Maßnahmen der Regierung als große Errungenschaft für die Menschen zu inszenieren. Bei der Gelegenheit beschimpfte er FPÖ-Wähler, konkret die “Fahnenschwinger vom Neujahrsempfang” als “zahnlos mit zerrissenen Hosen”.
“De homd ned amoi Zähnt und zarrissene Hosen, des sand eichare Fahndlschwinger” – so Wöginger wörtlich in seinem Vortrag, gerichtet an Zwischenrufer der FPÖ. Sehen Sie die Aussage hier als Mitschnitt bei Politikberater Heimo Lepuschitz auf X:
Noch ÖVP Klubobmann Wöginger über die 5.000 Besucher des FPÖ Neujahrstreffen: "De hom net amol Zähne und zerissene Hosen". Wählerbeschimpfung und Arroganz, immer schon ein echtes Erfolgsmodell der Erfolglosen. Rücktrittsreif. pic.twitter.com/tCCnvIrt5y
— Heimo Lepuschitz (@heimolepuschitz) January 21, 2026
Wöginger versuchte wohl aus Neid auf die erfolgreiche FPÖ-Veranstaltung vom vergangenen Samstag die Teilnehmer derb zu beschimpfen. Von “staatstragender Wirtschaftspartei” ÖVP ist hier nichts zu bemerken. Kritiker merken an, dass solche Aussagen eher zu einem primitiven Bauernbuben bei einem Zeltfest passen würden. Wenn Wöginger denkt, die Regierung könnte Wählerstimmen zurückgewinnen, indem man Menschen beschimpft, dürfte er hart am Boden der Realität aufschlagen.
ÖVP-Klubchef August Wöginger gelangte zu zweifelhafter Bekanntschaft, als er im Zusammenhang mit einer Postenbesetzung im Finanzamt Braunau-Ried-Schärding ins Visier der WKStA geriet. Ihm wird vorgeworfen, für die Bestellung eines ÖVP-Bürgermeisters interveniert zu haben, obwohl eine andere Bewerberin als bestgeeignet galt. Das Landesgericht Linz beendete das Verfahren zunächst per Diversion gegen eine Geldbuße. Eine Diversion erfordert ein Schuldeingeständnis.
Doch die WKStA bekämpfte infolge großen öffentlichen Drucks den Schritt, und das Oberlandesgericht Linz hob die Diversion am 10. Dezember 2025 auf. Begründung: Bei Amtsmissbrauch sei Diversion nur in atypisch leichten Fällen möglich. Wöginger erhält die Geldbuße vorerst zurück und muss sich erneut verantworten. Damit wird der Prozess ab 11. Februar 2026 fortgesetzt.
Zum Schluss seiner Rede nahm Wöginger seine Aussage infolge einer spontanen Einsicht seines Fehlers zurück: “Und zum Schluss, bevor jetzt dann Geschäftsordnungs-Wortmeldungen kommen: Ich nehme diesen Ausdruck zurück, den ich getätigt habe bezüglich eurer Leute, die in den ersten Reihen sitzen bei den Veranstaltungen. Das tut mir leid, das nehme ich zurück.”
Die Plattform “Fass ohne Boden” veröffentlichte jüngst einen Text über Unzufriedenheit in der ÖVP-Basis, die genug vom “System Wöginger” habe: Umfrage: Vier von fünf ÖVP-Wählern lehnen politische Interventionen ab.
