Feindbild Testosteron: Das völlig missverstandene Hormon

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Die Welt hat ein Feindbild: Testosteron. Männer sollen aggressiv sein, gefährlich, impulsiv – und Frauen sowieso “überzogen emotional”, wenn Hormone im Spiel sind. Doch das Ganze ist viel komplexer. Mehr Testosteron wäre für die Welt vielleicht sogar ein Segen.

Jahrzehntelang wurde das Testosteron dämonisiert. Und das, obwohl es ausreichend wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, dass dieses Hormon eine wichtige regulierende Funktion einnimmt. So auch eine bereits im Jahr 2009 bei Nature veröffentlichte Studie mit dem Titel “Prejudice and truth about the effect of testosterone on human bargaining behaviour“. Testosteron macht nicht aggressiv, es macht kontextsensibel und reguliert Status, Durchsetzungsfähigkeit, sowie Fairness in sozialen Interaktionen.

In der Studie wurden Frauen untersucht, die sublingual Testosteron erhielten. Das Ergebnis war verblüffend: Wer das Hormon tatsächlich bekam, machte fairere Angebote in Verhandlungsspielen. Diejenigen, die nur glaubten, Testosteron erhalten zu haben – unabhängig von der Realität – agierten unfairer als je zuvor. Der Mythos hatte sich selbst erfüllt: Nicht das Hormon, sondern der Glaube an seine “toxische” Wirkung wirkte destruktiv.

Testosteron ist ein Statushormon. Es steuert Durchsetzungsbereitschaft, Risikoverhalten und Frustrationstoleranz. Aggression tritt nicht automatisch auf; sie ist situationsabhängig. Wer im Alltag schwach in Wettbewerbssituationen ist, weil er seine Fähigkeiten nicht einsetzt, interpretiert jede Form von Dominanz als Bedrohung. Testosteron macht nicht aggressiv – es zeigt nur, wer bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.

Parallel dazu zeichnet sich eine stille Krise ab: Der Testosteronspiegel bei Männern sinkt weltweit. Langzeitstudien aus den USA und Europa zeigen, dass Männer heute deutlich niedrigere Werte haben als noch vor 30–40 Jahren – und das nicht allein wegen Alter, Gewicht oder Lifestyle. Die Gründe sind multifaktoriell: Bewegungsmangel, chronischer Stress, schlechte Schlafqualität, Umweltchemikalien, veränderte gesellschaftliche Strukturen. Das Resultat ist ein subtiler, aber tiefgreifender Effekt auf Gesellschaft und Psyche: Männer werden ängstlicher, konfliktscheuer, emotional fragiler, während man ihnen weiterhin Aggression unterstellt.

Hier liegt jedoch das eigentliche Problem: Die Gesellschaft pathologisiert Eigenschaften, die biologisch verankert sind, während die biologische Grundlage für Durchsetzungsfähigkeit, emotionale Stabilität und Statusbewusstsein sinkt. Das ist nicht nur eine individuelle, sondern eine kollektive Dysfunktion. Wir haben es mit zu wenig und nicht mit zu viel Testosteron zu tun.

Ein Hormon, das die Fähigkeit zu sozialem Gleichgewicht fördert, wird zum Sündenbock gemacht. Gleichzeitig sinken die Testosteronspiegel weltweit. Das Ergebnis ist deutlich sichtbar: weniger Durchsetzungsfähigkeit, weniger Selbstbewusstsein und mehr Angst. Dabei stellt sich die Frage, ob dies nicht vielleicht sogar gewollt ist.

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