Seit Jahrzehnten heißt es immer wieder, der Klimawandel bedrohe die Ernten und die Ernährungssicherheit. Doch ein seit 1878 laufendes Experiment mit Winterroggen zeigt ein anderes Bild. Wetterbedingungen und Klima spielen mittelfristig nur bedingt eine Rolle.
Seit 1878 wächst auf einer Versuchsfläche der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Jahr für Jahr Roggen. Genauer gesagt, Winterroggen, der jährlich im Herbst neu ausgesät wird. Das sind jetzt 147 Jahre Monokultur. Doch was als langfristiger Versuch in Sachen Bodenbeschaffenheit und Ernteerträge (ohne Dünger, sowie mit verschiedenen Düngemitteln auf gesonderten Flächen) begann, wird nun auch in Sachen Auswirkungen des Klimawandels auf die Ernten interessant.
Eine Auswertung der Ertragsdaten von 1879 bis 2010 durch Herbst, Schmidt und Merbach zeigt: Weder Temperaturveränderungen noch Niederschlagsmuster erklären die langfristige Ertragsentwicklung dieses Roggens. Die Forscher fanden keine enge statistische Beziehung zwischen Wetterdaten und Erträgen auf Dekadenbasis. Anders ausgedrückt: Über mehr als ein Jahrhundert hinweg spielte das Klima für die langfristige Ertragsentwicklung praktisch keine entscheidende Rolle.
Die Autoren der Auswertung erklären: “Die Ursachen für den Ertragsabfall in den ersten 40 Jahren nach Versuchsbeginn lagen hauptsächlich in den negativen Wirkungen der Monokultur und der Verwendung von Saatgut von der Versuchsfläche. Für den Ertragsanstieg kommen vor allem der Einsatz neuer, ertragsreicherer Sorten, die regelmäßige Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und vielleicht auch die erhöhte atmosphärische CO2-Konzentration in Betracht.”
Der Zeitraum umfasst das Ende der Kleinen Eiszeit, mehrere Warmphasen, Kälteperioden, trockene Jahrzehnte, feuchte Jahre, zwei Weltkriege, Industrialisierung und sichtliche Temperaturveränderungen. Wenn das Klima wirklich der dominante Ertragsfaktor wäre, müsste sich hier ein klarer Trend zeigen. Doch der Trend bleibt aus. Vielmehr spielen Düngung, Bodenfruchtbarkeit, Nährstoffmanagement und Sortenwahl eine Rolle.
Der “Ewige Roggenbau” ist kein Beweis dafür, dass Wetter bedeutungslos wäre. Natürlich beeinflussen Hitze, Trockenheit oder Nässe einzelne Ernten. Aber er zeigt, dass der oft behauptete dominante Klimaeinfluss auf die langfristige Ertragsentwicklung schlicht nicht existiert. Vielmehr zeigt es sich, dass man mit gezielten Maßnahmen (neue Sorten, Pflanzenschutzmittel usw.) gute Erfolge erzielen kann. Darauf sollte der Fokus gelenkt werden – nicht auf sinnlose CO2-Bepreisungen und absurde “Net Zero”-Ziele.
