30 Jahre vor Berlin: der gescheiterte linksextreme Terroranschlag auf Wiens Stromnetz

Walfgang Grabmayr erinnert sich im Gespräch mit Florian Machl an den Terroranschlag Ebergassing. (C) Report24.news / Hochspannungsleitungen: Wikimedia

Der versuchte Terroranschlag von Ebergassing im Jahr 1995 ist heute weitgehend aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden. Dabei handelte es sich um einen Angriff auf kritische Infrastruktur, der in seiner Zielsetzung frappierende Parallelen zu den jüngsten Ereignissen in Berlin aufweist – und Jahrzehnte davor stattfand. Damals wie heute ging es um die gezielte Sabotage der Stromversorgung mit potenziell massiven Folgen für eine Millionenstadt.

In Ebergassing versuchten linksradikale Täter, eine der wichtigsten Hochspannungsleitungen Österreichs zu zerstören. Der Anschlag scheiterte, zwei der Beteiligten kamen bei der Explosion ums Leben. Wäre die Aktion gelungen, hätte Wien großflächig und über längere Zeit ohne Strom dagestanden. Die Dimensionen eines solchen Blackouts waren bereits Mitte der neunziger Jahre bekannt, wurden jedoch politisch und medial nur oberflächlich diskutiert. Eine tiefgehende gesellschaftliche Aufarbeitung blieb aus.

Auffällig ist die politische Großwetterlage, in der der Anschlag stattfand. Österreich erlebte damals tiefgreifende Umbrüche, geprägt vom Erstarken der FPÖ unter Jörg Haider, einer aufgeheizten Migrationsdebatte und massiven Spannungen zwischen etablierten Parteien und neuen politischen Kräften. Gewalt gegen Infrastruktur fügte sich in ein Klima, in dem radikale Akteure bereit waren, gesellschaftliche Destabilisierung bewusst in Kauf zu nehmen, um politische Effekte zu erzielen.

Ähnliche Muster lassen sich heute in Berlin erkennen. Wieder steht ein Angriff auf das Stromnetz im Raum, wieder entfaltet sich unmittelbar eine politische Deutungsschlacht, noch bevor zentrale Fragen geklärt sind. Die Mechanismen sind vertraut: Schuldzuweisungen, narrative Festlegungen und der Versuch, politische Gegner mit der Tat in Verbindung zu bringen. Ebergassing zeigt, dass solche Reflexe kein neues Phänomen sind.

Der österreichische Fall verdeutlicht zudem, wie eng radikale Szenen, publizistische Unterstützer und Teile des politischen Umfelds miteinander verflochten waren. Publikationen wie das damalige „Tatblatt“ feierten Aktionen, verharmlosten Gewalt und trugen zur ideologischen Mobilisierung bei. Auch diese Struktur findet sich in moderner Form wieder, beispielsweise in Form von “Indymedia”, wo linke Aufrufe oder Bekennerschreiben veröffentlicht werden.

Ebergassing war kein Randereignis, sondern ein frühes Warnsignal. Der Anschlag scheiterte, nicht jedoch die dahinterstehende Logik. Wer die aktuellen Entwicklungen verstehen will, kommt an diesem Kapitel österreichischer Zeitgeschichte nicht vorbei. Die Parallelen zu Berlin sind ein Ausdruck wiederkehrender Muster linksextremer Gewalt, die bis heute politische und gesellschaftliche Sprengkraft besitzen.

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