US-Geheimdienstchefin: Putin will immer noch den größten Teil der Ukraine einnehmen

Putin via Kremlin.ru, CC BY 4.0 , via Wikimedia Commons

Die US-Geheimdienste behaupten, dass Wladimir Putin immer noch den größten Teil der Ukraine erobern will, obwohl die Moskauer Truppen durch die Kämpfe so geschwächt seien. US-Geheimdienstchefin Haines glaubt, der russische Präsident überschätze die Fähigkeiten seiner Truppen.

Avril Haines, Direktorin des Nationalen Nachrichtendienstes, sagte, Putin verfolge immer noch dieselben Ziele wie zu Beginn des Konflikts. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass Russland dieses Ziel in absehbarer Zeit erreichen werde, so die oberste Geheimdienstlerin. Sie sagte auf einer Konferenz des US-Handelsministeriums: “Wir sehen eine Diskrepanz zwischen Putins kurzfristigen militärischen Zielen in diesem Gebiet und den Kapazitäten seines Militärs, eine Art Missverhältnis zwischen seinen Ambitionen und dem, was das Militär zu leisten imstande ist.”

Seitdem Russland sein ursprüngliches Ziel, die Einnahme von Kiew, nicht erreicht habe, konzentriere es sich auf die Eroberung von Gebieten im östlichen Donbass – einem großen Industriegebiet, in dem Putin behaupte, die Ukraine habe einen Völkermord an russischsprachigen Menschen verübt. Die russischen Streitkräfte haben dort Fortschritte gemacht und vor kurzem die Kontrolle über die Stadt Sewerodonezk übernommen, aber die Fortschritte sind laut Haines langsam und die ukrainischen Streitkräfte leisten Dank der westlichen Waffenlieferungen teils noch heftigen Widerstand. Allerdings blutet das ukrainische Militär zunehmend aus, kann seine Verluste nur unzureichend mit neuen (schlecht ausgebildeten) Rekruten auffüllen.

In ihren ersten öffentlichen Äußerungen seit Mai zur Einschätzung des Krieges durch die US-Geheimdienste deutete Haines an, dass sich die russische Invasion “über einen längeren Zeitraum” hinziehen werde und dass “das Bild weiterhin ziemlich düster” sei. Sie sagte, die Geheimdienste sähen drei Szenarien, wie sich der Krieg entwickeln könnte, wobei das wahrscheinlichste ein sich langsam entwickelnder Konflikt sei, bei dem Russland “schrittweise Fortschritte macht, ohne einen Durchbruch zu erzielen”. Zu den anderen, weniger wahrscheinlichen Möglichkeiten gehören ein größerer russischer Durchbruch oder eine Stabilisierung der Frontlinien, bei der die Ukraine kleine Gewinne erzielt.

Allerdings haben die westlichen Geheimdienste in den letzten Monaten mit ihren Einschätzungen immer wieder falsch gelegen. Vor allem sollte man bedenken, dass die russischen Truppen im Osten der Ukraine innerhalb weniger Monate größere Gebietsgewinne verzeichnen konnten als die Alliierten im Zweiten Weltkrieg beim Versuch, Italien zu erobern. Oder man vergleiche die Landung der Amerikaner und Briten in der Normandie im Juni 1944 – es dauerte beinahe ein Jahr, bis die Wehrmacht schlussendlich kapitulierte. Vor allem ist es für Moskau militärstrategisch sinnvoll, sich zuerst auf jene Regionen in der Ukraine zu konzentrieren, in denen der Widerstand durch die lokale Bevölkerung offensichtlich am geringsten ist – und das sind nun einmal die Regionen im Osten und im Süden.

Putin selbst warf dem Westen am Rande des 6. Kaspischen Gipfels vor, die Ukraine als Instrument für ihre imperialen Ambitionen zu nutzen. “Die Aufforderung an die Ukraine, die Kampfhandlungen fortzusetzen, und die Aufforderung, die Gespräche zu verweigern, beweisen nur, dass die Ukraine für den Westen und die NATO kein Ziel ist und die Interessen des ukrainischen Volkes nicht das Ziel sind. Sie ist ein Instrument zum Schutz ihrer eigenen Interessen”, sagte er auf einer Pressekonferenz nach dem Kaspischen Gipfel. “Es bedeutet, dass die NATO, die führenden Nationen der NATO einfach nur sich selbst behaupten wollen, um ihre Rolle in der Welt zu behaupten, nicht ihre Führungsrolle, sondern ihre Hegemonie im direkten Sinne des Wortes, ihre imperialen Ambitionen. Das ist alles”, so Putin.

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