Militärexperte: Am Ende könnten die Bürger des Westens die Ukraine zu Friedensverhandlungen zwingen

Es reicht! - Symbolbild zusammengestellt aus Bildern via freepik / cookie_studio, Mann in rot via wayhomestudio

Der Ukraine-Krieg dürfte nach Ansicht des Militärexperten Carlo-Antonio Masala noch eine ganze Weile andauern – trotz der schlechten Aussichten für die Ukraine. Masala hält es allerdings für wahrscheinlich, dass die Unterstützung der westlichen Bevölkerung schwinden könnte, wenn die negativen Auswirkungen des Krieges und der Sanktionen noch mehr bei den Menschen ankommen. Es könnten demnach durchaus die westlichen Bürger sein, die am Ende Friedensverhandlungen erwirken…

Prof. Dr. Carlo-Antonio Masala ist ein deutscher Politikwissenschaftler mit einem Lehrstuhl an der Universität der Bundeswehr München. Im Interview mit der „Welt“ legte er seine Einschätzung zum Ukraine-Krieg dar. Die Kämpfe im Osten der Ukraine dauern an, die Aussichten sind jedoch schlecht. Masala hält drei Faktoren für den weiteren Verlauf des Krieges für entscheidend:

  • Erstens sei es wichtig, wann der Westen die versprochenen schweren Artillerie-Systeme liefert. Eine rechtzeitige Lieferung und die richtige Nutzung durch die Ukrainer könnte den Vormarsch der Russen weiter verlangsamen.
  • Zweitens ist es entscheidend, ob die Ukrainer Nachschub an Munition für ihre eigene Artillerie sowjetischer Bauart bekommen. Rumänien ist bereit, eine Waffenfabrik aufzubauen, die diese 152 Millimeter Munition produziert. Es ist allerdings die Frage, wie lange dies dauern würde.
  • Drittens wäre es möglich, dass die ukrainische Armee im Fall einer schnellen Besetzung des gesamten Donbass die Kämpfe Armee gegen Armee beendet und stattdessen versucht, die Russen in den Städten im Häuser- und im Straßenkampf zu stellen (Partisanen-Taktik).

Sollten die Ukrainer die Partisanen-Taktik anwenden, könnten die Kämpfe noch lange weitergehen. Auch Nato-Generalsekretär Stoltenberg vertritt diese Meinung. Ein Andauern des Krieges würde allerdings dazu führen, dass die negativen Auswirkungen des Konflikts (insbesondere der Sanktionen), noch mehr bei den Bürgern des Westens ankommen. Das könnte ein Umdenken bei der Bevölkerung verursachen: Die Unterstützung für den Krieg würde dann erodieren.

Schon jetzt spüren die Menschen den Krieg persönlich – an ihren Gasrechnungen, an den Benzin- und Lebensmittelpreisen. Im Herbst bzw. Winter wird sich dies weiter verschärfen: Die Bürger der europäischen Staaten dürften sich spätestens dann verstärkt die Frage stellen, inwieweit die sogenannte Unterstützung der Ukrainer überhaupt sinnvoll ist. Der öffentliche Druck auf die Regierenden könnte dann so groß werden, dass ein Umdenken erzwungen wird: Einige Staaten könnten laut Masala „aus der Front herausbrechen und sagen, jetzt muss man endlich mal Verhandlungen machen. ‚Wir müssen akzeptieren, dass das Territorium weg ist.‘“

Genau darauf spekuliere auch Wladimir Putin – und er dürfte damit durchaus Recht behalten, denn die Preisexplosionen sind hierzulande für etliche Menschen schon jetzt kaum mehr zu stemmen. Die Sanktionen gegen Russland verfehlen ihr Ziel, treffen die Bürger dafür aber umso härter.

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