Die Heuchelei des Westens: Ukraine-Krieg ist “kein Kampf zwischen Heiligen und Sündern”

Bilder: Putin via Kremlin.ru, CC BY 4.0 , via Wikimedia Commons, Selenskyj via President.gov.ua, CC BY 4.0 , via Wikimedia Commons, Horns / Halo via freepik / macrovector

Peter Hitchens ist ein englischer Autor und Journalist, der im Vereinigten Königreich bereits im Rahmen der Covid-Krise mehrfach durch kritische Berichte und Kommentare auffiel. Auch im Zuge des Ukraine-Kriegs findet er sehr deutliche Worte für die Weigerung des Westens, den eigenen Anteil an der Krise zuzugeben. Selbstverständlich verurteilt auch er den russischen Einmarsch in die Ukraine aufs Schärfste – er fordert jedoch ein Ende der Heuchelei und der einseitigen Anti-Putin-Hysterie des Westens.

Vorab: Report24 spricht sich gegen jede Art von Krieg aus. Krieg ist immer falsch. Doch im Krieg stirbt zuerst die Wahrheit. Wir tolerieren das falsche Spiel der gleichgeschalteten Systemmedien nicht.

“Politiker des Westens haben die Krise aus dem Nichts geschaffen”

In Hitchens Kolumne bei der “Mail on Sunday” mit dem Titel “Wir haben uns Russland sinnlos zum Feind gemacht” hielt er bereits am 23. Februar fest (hier ins Deutsche übersetzt, Hervorhebungen durch Report24):

Inmitten der gegenwärtigen Anti-Putin-Hysterie bin ich der festen Überzeugung, dass die führenden Politiker des Westens die Krise, mit der wir heute konfrontiert sind, aus dem Nichts geschaffen haben. Ich glaube auch, dass viele von ihnen aus unterschiedlichen Gründen so leichtgewichtig sind, dass sie es geniessen, zu drohen – und nicht merken, dass dies tödlich ernst ist.

In öffentlichen Reden und privaten Annäherungen bittet uns Russland seit Jahren, ihm den grundlegendsten Respekt zu erweisen. Wir haben darauf mit Misstrauen und Beschimpfungen reagiert und mit unverhohlenen Versuchen, die Lage in der Ukraine und in Georgien zu verschärfen, zwei unglaublich gefährlichen Krisenherden, an denen nur allzu leicht ein echter Krieg ausbrechen konnte.

[…] Ich denke, die Völker des Westens sollten sorgfältig nachdenken, bevor sie den Weg zu einer neuen, bitteren Teilung Europas einschlagen. Sie ist vermeidbar. Sie bringt uns nichts. Aber sie könnte uns alles kosten.”

“Dies ist kein Wettstreit zwischen Heiligen und Sündern”

Am 5. März führte er in einer weiteren Kolumne zum Thema aus, dass er sich in Anbetracht der Fakten der heuchlerischen Kriegshysterie nicht anschließen kann (abermals übersetzt, Hervorhebungen durch Report24):

“[…] Ich weigere mich, die Kriegshysterie mitzumachen, die Großbritannien und den Westen jetzt erfasst hat. Und es ist eine Hysterie.

Ich habe gehört, wie ein angesehener britischer Abgeordneter die Deportation aller Russen aus dem Land forderte – aller Russen. Ich habe Verrückte gehört, die eine «Flugverbotszone» in der Ukraine fordern. Wenn sie ihren Willen bekämen, würde das einen schrecklichen und sofortigen europäischen Krieg bedeuten. Ich vermute, dass sie nicht einmal wissen, was sie da fordern. Könnt ihr bitte alle diesen Karneval der Heuchelei beenden?

Ich kann da nicht mitmachen. Ich weiß zu viel. Ich weiß, dass unsere Politik der Nato-Erweiterung ihren Teil dazu beigetragen hat, dass diese Krise entstanden ist.

Ich weiß, dass die ukrainische Regierung, die heute fast wie eine Heilige behandelt wird, durch einen von den USA unterstützten Putsch im Jahr 2014 an die Macht kam. Ich weiß, dass der vielbewunderte Präsident Selenskyj im Februar 2021 drei oppositionelle Fernsehsender mit der Begründung der «nationalen Sicherheit» geschlossen hat. Ich weiß, dass der Oppositionspolitiker Wiktor Medwedtschuk letztes Jahr unter Hausarrest gestellt wurde. Ist das nicht die Art von Dingen, die Putin tut?

Ich weiß, dass die ukrainische Armee seit 2014 mit schwerer Gewalt gegen russische Zivilisten im Donbass vorgegangen ist. Die Russen haben dort auch schreckliche Dinge getan, aber es gibt genug Leute, die Ihnen das sagen werden. Der Punkt ist, dass dies kein Wettstreit zwischen Heiligen und Sündern oder zwischen Mordor und dem Auenland ist.

Ich finde es außerdem seltsam, dass Grossbritannien und die USA, als sie Putins illegale Invasion eines souveränen Landes zu Recht anprangerten, zu vergessen schienen, dass wir ihn erst auf die Idee dazu gebracht hatten, indem wir dies 2003 im Irak getan hatten. Im Gegensatz zu ihnen kann ich wirklich behaupten, dass ich gegen diese beiden Aktionen war.

Ich bin es leid, mir sagen zu lassen, die Nato sei ein reines Verteidigungsbündnis, obwohl wir wissen, dass sie 1999 Serbien bombardiert hat, wobei zufällig Zivilisten getötet wurden, obwohl Serbien kein Nato-Mitglied angegriffen hatte. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass Libyen ein Nato-Mitglied angegriffen hatte, bevor diese «defensive» Allianz den Luftkrieg gegen Tripolis begann, bei dem auch Zivilisten, darunter Kinder, getötet wurden und der das Land in einen Kessel des Chaos verwandelte, was niemandem half.

Und dann ist da noch die andere Sache, die mir im Halse stecken bleibt. Die Länder des Westens haben die Ukraine zu einer Konfrontation mit Russland angestachelt, die vorhersehbar in Putins barbarischem Einmarsch endete. Doch während wir in sicherer Entfernung stehen und jubeln, sind die Ukrainer diejenigen, die beschossen, bombardiert, belagert und aus ihren Häusern vertrieben werden. Ist das ehrenhaft? Macht das sentimentale Lob für ihre Tapferkeit das wieder wett? […]”

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